Den Islam kennenlernen

10. April 2017


Eine Illustrierte Geschichte des Islam führt in Geschichte und Gegenwart einer Weltreligion ein.

Ist in den Medien vom Islam die Rede, dann zumeist im Kontext von Krieg und Terror. Gewaltbereite und -tätige Muslime bestimmen das öffentlichkeitswirksame Bild ihrer Religionsgemeinschaft. Die fundamentalistisch übersteigerte Ideologieform (Islamismus) beherrscht die Wahrnehmung und verdrängt in dieser ganz allmählich die eigentlich normale Grundform (Islam). Man denkt an Recht, nicht an Religion, an Gewalt, nicht an Glauben, wenn von Muslimen die Rede ist.

Im Urteil über eine derart große und bedeutende Weltreligion, der immerhin etwa 1,7 Milliarden Menschen angehören, sollte man sich aber nicht von den Schlagzeilen, sondern von kenntnisreichen Darstellungen leiten lassen, damit nicht Ängste, sondern Argumente die Auseinandersetzung bestimmen. Daher ist es gut, wenn populärwissenschaftliche Arbeiten solide und verständlich über den Islam informieren. Eine solche liegt nun vor: Monika und Udo Tworuschkas Illustrierte Geschichte des Islam.

In kurzen Texten und mit zahlreichen Abbildungen wird die Entstehung und Entwicklung des Islam dargestellt. Die beiden Religionswissenschaftler zeigen Geschichte und Gegenwart einer Religion, die nicht auf Gewalt reduziert werden darf. In den unterschiedlichen Strömungen unter verschiedenen Herrschern wurden künstlerische und naturwissenschaftliche Leistungen erbracht, die Anerkennung verdienen. Die Abbasidendynastie im Hochmittelalter etwa war eine Blütezeit der islamischen Kultur.

Allerdings kommt unterschwellig immer wieder die Expansionspolitik islamischer Herrscher zum Vorschein. Harun ar-Rashid zum Beispiel ließ sich zwar gerne umgeben von Gelehrten abbilden, hat aber zugleich gegen die halbe Welt Krieg geführt, insbesondere gegen Persien und Byzanz. Explizit sprechen die Autoren von einer „Christenverfolgung“ durch die Fatimiden am Vorabend der Kreuzzüge, die wiederum nicht nur zu brutaler Gewalt, sondern zu einem Kulturaustausch zwischen Orient und Okzident führten.

Der Islam erscheint also mit Blick auf das mittelalterliche Europa höchst ambivalent: Einerseits besiegten islamische Herrscher wie Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub die Kreuzfahrer vernichtend und wiesen Christen aus Jerusalem aus, andererseits wurden wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Innvationen nach Europa exportiert. Auch die Philosophie und die Sprache wurden durch diesen Transfer beeinflusst – im Deutschen gibt es zahlreiche Wörter mit arabischen Wurzeln (von Admiral bis Zucker).

Der Band überzeugt nicht nur inhaltlich durch seriöse, differenzierte Darlegung der Fakten, sondern auch formal durch übersichtliche Gliederung und ansehnliche Gestaltung. Hilfreich sind die „Info“-Felder, in denen die Bedeutung einzelner Begriffe und Personen erläutert wird sowie ein nützlicher Anhang mit Zeittafel und Literaturempfehlungen zur weiteren Orientierung. Und die ist nötig, wenn man dem Islam gerecht werden will.

Bibliographische Angaben:

Monika und Udo Tworuschka: Illustrierte Geschichte des Islam.
Stuttgart: J.B. Metzler 2017.
176 Seiten, € 24,99.
ISBN 9783476043481.

(Josef Bordat)

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