Nach Emmaus. Und zurück

17. April 2017


Manchmal gucke ich sie ganz gerne: Katastrophenfilme. Es gibt – wie bei jedem Genre – gute und weniger gute. Klar. Aber ein Motiv ist in vielen Katastrophenfilmen erkennbar: die Flucht der verstörten Massen aus der Stadt, hinaus aufs Land. Katastrophenfilme spielen ja meist in US-amerikanischen Metropolen – aus Kostengründen suchen sich Außerirdische meist Städte in der Nähe bedeutender Filmproduktionszentren aus – und die Flucht gestaltet sich schwierig: Alle sind mit dem Auto unterwegs, Hunderttausende Fahrzeuge blockieren die Straßen, Hupkonzert. Und mittendrin eine typische amerikanische Kleinfamilie in der Krise, die über das Geschehen wieder zueinander findet. Wie gesagt: Manchmal gucke ich so was ganz gerne.

Raus aus der Stadt! Nur noch weg von hier! Das haben sich vielleicht auch die Jünger gedacht, die Jerusalem in Richtung Emmaus verlassen. Die Katastrophe war geschehen: Jesus gekreuzigt, gestorben und begraben. Das Aus aller Träume von Freiheit und einer besseren Zukunft. Schon wieder ein Scheitern, das sie miterleben mussten. Und jetzt die Bedrohung: Als nächstes kommen die Kollaborateure und Sympathisanten an die Reihe. Petrus hatte den Kopf gerade nochmal aus der Schlinge gezogen, aber lange würde das wohl nicht mehr gut gehen. Dann würde man nicht mehr dreimal nachfragen, sich mit fadenscheinigen Antworten zufriedengeben. Und die Befragung würde auch nicht von irgendwelchen Mägden durchgeführt. Kurzen Prozess würden sie machen mit der Jesus-Bewegung. Also: Bloß weg!

Dann passiert allerdings etwas Unerwartetes: Ein Fremder gesellt sich zu ihnen – und hat keine Ahnung, was los ist. Sie unterhalten sich angeregt und erreichen ihr Ziel. Dann – als die Zeit für den Abschied kommt – sprechen sie eine Einladung aus. Auch das ist nicht unbedingt zu erwarten. Sie überwinden ihre Angst und ihre Verstocktheit und laden den Fremden zu sich ein. Jesus ist ja zu diesem Zeitpunkt immer noch ein Fremder für sie, eine Reisebekanntschaft, gut, aber eben Niemand, mit dem man mitten in der Wüste übernachtet – bei all dem, was da sonst so passiert. Es wird sie etwas Überwindung gekostet haben. Das ist also schon ein kleiner Neuanfang: Nicht mit Trauer, Wut, Angst, Verzweiflung alleine bleiben, sondern im Dienst am Nächsten neue Erfahrungen zulassen.

Und dann geschieht das nächste Unerwartete: Der fremde Gast übernimmt bei Tisch ungefragt die Initiative – und bricht das Brot. Das ist das Zeichen, an dem sie den Herrn erkennen, der sich ihnen gerade im Moment ihrer Erkenntnis entzieht. Sie sind wieder allein. Und doch nicht allein. Ihnen wird bewusst, dass der Fremde ihr Freund ist, den sie betrauert haben. Das Herz – Metapher für das Gewissen, das Bewusstsein, die Seele – brennt. Sie brechen auf – zurück in die Stadt, zurück nach Jerusalem. Neuer Mut, neuer Weg. Jetzt fällt auf, dass sie zu zweit unterwegs sind – entsprechend dem Missionsauftrag Jesu. Sie spüren: Wir haben eine Mission. Zunächst für die Jünger, dann für die ganze Welt. Sie finden wieder zu sich und zu einander. Ein ganz klein wenig – wie im Film.

(Josef Bordat)

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