Vater und Sohn

15. Mai 2017


Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. (Joh 14, 1-12)

Der Sohn geht zum Vater – doch nicht, um wegzugehen, das irdische Jammertal enttäuscht zu verlassen (dazu hätte Er wohl allen Grund gehabt), sondern um Seinen Jüngern und damit auch uns einen Platz zu bereiten. Denn Gott wendet sich nicht von uns ab (auch dazu hätte Er allen Grund), sondern plant mit uns: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Wohnungen für uns.

Jesus hat durch Seinen Tod und Seine Auferstehung den Weg zu Gott bereitet. Er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“. Das bedeutet: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Er allein hat den Wohnungsschlüssel, denn nur Er ist der Sohn des Hausherrn. Das ist entweder eine unverschämte Selbstüberhebung (so sahen es viele Seiner Zeitgenossen) oder einfach nur logisch. Denn wer sonst sollte den Vater bei der Hausverwaltung vertreten, wenn nicht der Sohn?

Jesus treibt die Sache nun auf die Spitze: Es herrsche nicht nur ein Vertreterverhältnis zwischen Vater und Sohn, sondern Einheit: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10, 30). Hier heißt es: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“, denn Er, Jesus, ist „im Vater“ und der Vater ist umgekehrt auch in ihm. Wenn aber eines im anderen ist und zugleich auch umgekehrt gilt, dass dieses andere in jenem einen ist, läuft das auf Kongruenz hinaus, auf Einheit. Insoweit kann Jesus auch sagen, dass sich der Glaube auf den Vater und den Sohn richten soll: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“

Es stimmt wohl, was U2-Frontmann Bono einmal sagte: Entweder war dieser Jesus verrückt, oder aber Er ist wirklich der Sohn Gottes, also Gott in Ihm und Er in Gott. Das ist die Entscheidung, vor der auch wir stehen, vor der jeder Mensch steht. Eine Indifferenz kann es hier nicht geben. Entweder man nimmt Jesus beim Wort, dann muss man zwingend Christ werden, oder man hält Ihn für einen Gotteslästerer, der die größtmögliche Blasphemie an den Tag legt: sich selbst zu Gott zu machen.

Die ganze Geschichte der letzten 2000 Jahre läuft damit wesentlich auf diese eine Frage hinaus: Ist es wahr, dass Jesus Gott ist? In der heutigen Perikope (und auch an anderen Stellen des Johannesevangeliums) bekommen wir eine eindeutige Antwort: Ja! Dieses Ja bildet die Basis des Christentums, dieses Ja ist das grundlegende Bekenntnis des christlichen Glaubens. Sagen wir also „Ja“! Bono jedenfalls tut es.

(Josef Bordat)

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