Alles, aber nicht katholisch

24. Mai 2017


Peter Winnemöller hat zur Haltung des Diözesanrats der Berliner Katholiken (ein Antrag zur Unterstützung des jährlich im September in der Hauptstadt veranstalteten „Marsch für das Leben“ wurde abgelehnt) kritisch Stellung bezogen. Seiner Stellungnahme schließe ich mich im Ergebnis und in weiten Teilen der Begründung an.

Ausdrücklich zu betonen ist die Tatsache, dass der Diözesanrat der Berliner Katholiken damit nicht nur Erzbischof Koch in den Rücken fällt (der im vergangenen Jahr am „Marsch für das Leben“ teilnahm), sondern, dass er, der Diözesanrat der Berliner Katholiken, sich darüber hinaus auch gegen Papst Franziskus stellt, der den „Marsch für das Leben“ ausdrücklich unterstützt. Erst wenige Wochen im Amt, ließ er den Veranstaltern zum „Marsch für das Leben“ im September 2013 ausrichten: „Gerne verbindet sich Seine Heiligkeit mit den Teilnehmern am Marsch für das Leben im Gebet und bittet Gott, alle Bemühungen zur Förderung des uneingeschränkten Schutzes des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen mit seinem Segen zu begleiten“.

Wenn man davon ausgeht, dass Papst und Ortsbischof die Kirche leiten, gemäß der katholischen Lehre (die in Fragen des Lebensrechts ohnehin eine eindeutige Sprache spricht), dann ist der Beschluss des Diözesanrats der Berliner Katholiken alles, aber nicht katholisch, vor allem dann nicht, wenn der Beschluss ohne Diskussion aller verfügbaren Argumente gefällt wurde, und ohne jede Andeutung, welche Möglichkeiten denn der Diözesanrat der Berliner Katholiken für eine Verbesserung des Lebensschutzes sieht.

Denn es könnte ja sein (und hier schätze ich die Lage wohl geringfügig anders ein als Peter Winnemöller), dass der Diözesanrat der Berliner Katholiken zwar mit den inhaltlichen Zielen des „Marsch für das Leben“ teilweise, weitgehend oder sogar ganz übereinstimmt, jedoch Bedenken hat, was methodische Fragen betrifft, die Wortwahl auf Einladungsflyern, die Bebilderung von Artikeln etc. Nur: Das hätte er dann auch sagen können; offenkundig tat er dies aber nicht. So entsteht der Eindruck, dass das Thema selbst (also: Lebensrecht für alle) keines ist, das den Diözesanrat der Berliner Katholiken beschäftigt. Zumindest nicht länger als für die Dauer eines Ablehnungsbeschlusses. Und das sollte man wissen, als Berliner Katholik.

(Josef Bordat)

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