Zum Tode Helmut Kohls

17. Juni 2017


Jetzt ist er also auch tot, der letzte, der noch verblieben war von jenen Männern, die meine Jugend prägten: mein Papst Johannes Paul II., mein Ministerpräsident Johannes Rau, mein Bundeskanzler Helmut Kohl. Mit diesen drei Größen des späten 20. Jahrhunderts wuchs ich auf, ihr Gesicht war mir vertrauter als das mancher Menschen aus der Nachbarschaft.

Über Helmut Kohl wird man in den nächsten Tagen viel lesen, vor allem viel Gutes: Kanzler der Einheit, Architekt Europas, ein großer Staatsmann. Dabei sind meine Erinnerungen vor allem von der Karikatur Kohls geprägt, die Anfang der 1980er entstand. Als „Birne“ verspottet die bundesrepublikanische Intelligenzija den tapsigen Kohl, dem kein Mensch 16 Jahre Kanzlerschaft zugetraut hat.

Seine Kopfform und sein Körperbau waren damals prägend, dazu Schlagworte wie das von der „geistig-moralischen Wende“. Erst, als Helmut Kohl die Wende in der DDR als einmalige historische Chance begriff und innerhalb von wenigen Monaten die innen- und vor allem die außenpolitischen Weichen Richtung Einheit stellte, nahm man ihn ernst.

Vielleicht sollte man Politikern, die mutig und machtvoll die Gesellschaft gestalten, dabei bodenständig und bescheiden bleiben, öfter mal sagen, dass ihre Arbeit gut und wertvoll ist. Vielleicht sogar dann, wenn sie noch leben.

(Josef Bordat)

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