Hass hilft

22. Juni 2017


Ich habe ja hier auch schon zugestanden, dem schier allgegenwärtigen Hass im Netz einigermaßen rat- und hilflos gegenüber zu stehen. Nun habe ich eine Aktion entdeckt, die zumindest etwas von der Ohnmacht nimmt, die einen angesichts von Facebook & Co. bisweilen umfängt: Hass hilft.

Das Prinzip von „Hass hilft“ ist denkbar einfach: Hasskommentare im Facebook werden von Facebook-Nutzern identifiziert und gemeldet, ein Gremium prüft die gemeldeten Kommentare auf Subsumierbarkeit unter die hauseigene, aber substantiierte Hasskommentardefinition und zahlt dann 1 Euro an Hilfsinitiativen für Flüchtlinge und andere Bedürftige. Dies wird dem Hasskommentator in ironischer Form mitgeteilt. Das Geld stammt von institutionellen und privaten Spendern. Unter einem „Hasskommentar“ verstehen die Initiatoren der Aktion „Äußerungen in sozialen Netzwerken, in denen Menschen erniedrigt, verunglimpft oder in ihrer Menschenwürde herabgesetzt werden bzw. Äußerungen, in denen zu Gewalt aufgerufen oder Menschen Gewalt angedroht wird“.

Auch wenn es nicht umproblematisch ist, Hass monetär zu verrechnen, und auch, wenn eine üble Beschimpfung und entwürdigende Behandlung von Menschen oder gar die Androhung von Gewalt negativ weit schwerer wiegt als das Gegengewicht zum Positiven, das gerade mal 1 Euro beträgt, so ist es doch vor allem ein gutes Zeichen. Es hilft vor allem, dass wir aufmerksam werden für den alltäglichen Hass und dass wir eine Chance haben, uns zu wehren, ohne uns dabei in fruchtlosen Debatten aufzureiben oder uns selbst bzw. Angehörige zu gefährden.

Nach eigenen Angaben hat die Aktion seit Oktober 2015 bereits über 55.000 Euro generiert. Das bedeutet: Es sind seither bereits mindestens 55.000 Hasskommentare im Facebook erschienen, knapp 100 pro Tag. Solange das Ziel der Aktion ist und bleibt, diesen Hass zu unterbinden und nicht etwa, möglichst viel Geld zu verteilen (eine Grundsatzkritik gegen alle Maßnahmen, die unerwünschtes Verhalten finanziell ausschlachten, vgl. etwa die Kritik James Tobins an der nach ihm benannten Tobin-Tax), dann ist das eine gute Aktion. Der ich eines wünsche: den Erfolg, irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden.

(Josef Bordat)

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