Louis Brisson

26. Juni 2017


Vor 200 Jahren wurde Pater Louis Brisson geboren

Louis Alexandre Sosthène Brisson, der Gründer der Ordensgemeinschaften der Oblatinnen und Oblaten des hl. Franz von Sales, wurde am 23. Juni 1817 in der französischen Stadt Plancy bei Troyes geboren. Seine Taufe fand sechs Tage später in der dortigen Pfarrkirche statt. 1829 empfing Louis die Erstkommunion und 1829 wurde er gefirmt. Trotz seiner Neigung für Mathematik und Naturwissenschaften, wollte Louis Priester werden. Von 1831 bis 1835 kam er deshalb in das Knabenseminar von Troyes. Dort entwickelte er sich zu einem exzellenten Schüler. Am Ende seiner Schulzeit erhielt Louis einen Preis für herausragende Leistungen. Am 13. Juli 1835 empfing Louis die Tonsur. Im Januar 1936 trat Louis Brisson in das Priesterseminar von Troyes ein. Von 1836 bis 1838 studierte er Philosophie und von 1838 bis 1840 Theologie. Am 6. Juli 1838 empfing er die Niederen Weihen, am 25. Mai 1839 die Weihe zum Subdiakon, am 21. Dezember 1839 schließlich wurde er in Troyes zum Diakon geweiht. Seine Priesterweihe empfing er dann am 19. Dezember 1840.

Diese verlief nicht so, wie man sich heute für gewöhnlich ein solch einzigartiges Fest vorstellt. Es war bitter kalt, es gab kein anständiges Essen, keine feierlichen Reden, nur eine Drohpredigt darüber, dass jeder unwürdige Priester von Gott bestraft werde. Die äußeren Umstände machten Brisson damals viel weniger aus als dieses Bild eines strafenden Gottes, vor dem sich jeder zu fürchten habe. Damit war er ganz und gar nicht einverstanden, da er bereits die Freude, den Optimismus und die Güte jenes Heiligen kennen lernte, der sein Leben und Wirken bis zu seinem Tod entscheidend prägen sollte: Franz von Sales, der Heilige der Sanftmut, der in seinen Schriften die Überzeugung vermittelte, dass Gott nicht ein Gott der Strafe, sondern ein Gott der Liebe ist. Der weitere Lebensweg Abbé Brissons ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch die wunderbare Fügung Gottes die Kirche in ihrer Mannigfaltigkeit aufblühen kann, wie Gott durch Seine allmächtige Hand immer wieder neue Weinstöcke pflanzt.

Zunächst stellt Gott dem Menschen seiner Gnade Gefährtinnen und Gefährten zur Seite, die ihm entscheidende Impulse geben. Für Brisson ist Maria Salesia Chappuis eine wichtige Gefährtin, die Oberin des Klosters der Schwestern der Heimsuchung in Troyes, einer Ordensgemeinschaft, die 1610 vom hl. Franz von Sales gegründet wurde und als deren Spiritual und Beichtvater Abbé Luis von 1843 an tätig wurde. Die „Gute Mutter“, wie ihre Mitschwestern sie nannten, hatte ein großes Ziel vor Augen (ihr „Werk“, wie sie nicht müde wurde, zu betonen), das Pater Luis später verwirklichen sollte: die Gründung einer männlichen Ordensgemeinschaft im salesianischen Geiste (Oblaten des hl. Franz von Sales; Decretum laudis: 1875, Anerkennung der Satzung: 1897). Leonie Aviat (die hl. Franziska Salesia) ist eine andere Gefährtin, mit der Luis Brisson 1868 die Oblatinnen des hl. Franz von Sales gründete (1890 Anerkennung der Satzung, 1911 endgültige Anerkennung). Zwei Gefährtinnen, zwei Ordensgründungen in der Spiritualität des hl. Franz von Sales, die diesem aufgrund seines frühen Todes verwehrt geblieben waren.

Ferner gibt Gott die Gelegenheit, ganz praktisch und hilfreich in den Alltag der Menschen zu wirken, insbesondere derer in Not. Mitte des 19. Jh., in der Hochphase der Industrialisierung, strömten viele junge Arbeiterinnen und Arbeiter vom Land in die Stadt und fanden keine ordentliche Unterkunft. Brisson gründete 1857 den Verein vom heiligen Franz von Sales mit dem Ziel, den Eifer der Gläubigen durch Gebet und tätige Nächstenliebe neu zu entfachen. Aus diesem Verein entstanden vier verschiedene Zweige: das Werk des frommen Lebens, das Werk der Soldaten, das Missionswerk und das Werk der Arbeiterjugend. Um die Jugend sorgte er sich ganz besonders. Er eröffnete bis 1861 drei Heime, in denen vor allem Mädchen ein neues und solides Zuhause fanden.

Und schließlich bricht Gott den Widerstand und die Zweifel des Menschen durch Zeichen und Wunder, die Seinen Willen unterstreichen. Bevor es nämlich zu der Gründung des Männerordens kam, hatte Abbé Luis mit seiner angeblichen Berufung gehadert. Er sträubte sich gegen die Überzeugungsversuche Maria Salesia Chappuis’, die alles daran setzte, Louis Brisson für ihren visionären Plan zu gewinnen, der ihr von Gott aufgetragen war. Dieser jedoch war davon keineswegs begeistert. Er war neben seiner priesterlichen Tätigkeit eher ein naturwissenschaftlich interessierter und tätiger Mensch (u. a. konstruierte er eine astronomische Uhr), der mit „Visionen“ und „göttlichen Aufträgen“ nur sehr wenig anfangen konnte.

Erst drei „Wunder“, die mit ihm geschahen, stimmten ihn um. Diese „Wunder“ begannen immer mit der strikten Weigerung, einen Männerorden zu gründen, und mit der trotzigen Aussage: „Wenn es wirklich der Wille Gottes ist, dann …“. Dann soll Er dafür sorgen, dass die Miete für eine Familie aufgebracht werden kann, um die sich Abbé Luis kümmerte und der sonst die Ausweisung drohte. Am nächsten Tag überreicht Maria Salesia ihm eine Spende. Dann soll die Schülerin Fanny de Champeau, die kaum Lesen und Schreiben konnte, in den Beichtstuhl kommen, und einen bestimmten Satz aus dem riesigen Werk des hl. Thomas von Aquin im lateinischen Original zitieren. Am nächsten Tag ist sie die erste im Beichtstuhl und zitiert den Satz in perfektem Latein. Das ständige Insistieren der „Guten Mutter“ ärgerte Brisson so sehr, dass er am 24. Februar 1845 wutentbrannt sagte: Ich werde diesen Orden nicht gründen, selbst wenn Jesus Christus persönlich mir erscheinen sollte und es von mir verlangte. Daraufhin verließ Maria Salesia das Sprechzimmer. Kurz darauf, so berichtet Louis Brisson, erschien ihm tatsächlich Jesus Christus und blickte ihn streng an. Dieses dritte „Wunder“ überzeugte ihn schließlich. Von diesem Zeitpunkt an war sein Widerstand gebrochen, gegen Maria Salesia Chappuis und gegen den unbequemen Willen Gottes.

Und am Ende, auch das gehört wohl zu den unergründlichen Wegen des Herrn, muss Abbé Brisson miterleben, wie Menschen sich erdreisten, sein Werk ruinieren zu wollen: Der Kirchenkampf in Frankreich fordert um die Jahrhundertwende zahlreiche Opfer, das „Gesetz zur Aufhebung der Ordenskongregationen“ (1901) ist der Auftakt einer breit angelegten Zerstörungs- und Vertreibungswelle. Auch Louis Brissons Mitschwestern und Mitbrüder werden vertrieben. Sie werden jedoch damit zugleich gezwungen, ihren Orden in andere Länder und Kontinente zu tragen und sorgen auf diese Weise – Ironie des Schicksals oder göttliche Fügung? – für die weltweite Ausbreitung der salesianischen Spiritualität. Brisson selbst zieht sich in seine Heimatstadt Plancy zurück, wo er am 2. Februar 1908 im Alter von 91 Jahren stirbt.

(Josef Bordat)

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