Auferstehung denken

27. Juni 2017


An der Auferstehung scheiden sich die Geister, auch innerhalb der Christenheit. Einig ist man sich aber offenbar in einem Punkt: Mit ihr steht und fällt alles. Die Frage nach der Auferstehung zielt ohne Umschweife auf das Zentrum des christlichen Glaubens. Von daher ist die Beschäftigung mit der Auferstehung auch Kern der christlichen Theologie.

Beziehungsweise: Sie sollte es sein. Denn: Es ist in der Theologie verdächtig still geworden um das Thema Nr. 1. Beiträge zur Wahrhaftigkeit der Auferstehung Jesu kommen von Historikern, Juristen und Philosophen, das Spekulieren über ein Leben nach dem Tod hat man den Hirnforschern überlassen. Doch die entscheidenden Leitfragen sind theologischer Natur: Wie ist Auferstehung denkbar? Was bedeutet Auferstehung – heute? Wie kann man die große christliche Hoffnung der Auferstehung einer glaubensarmen Welt vermitteln?

Auf diese und andere Fragen gibt Gerhard Lohfink in seinem neuen Buch Am Ende das Nichts? (erschienen bei Herder) vernünftige Antworten. Der Neutestamentler geht dabei von dem aus, was Menschen über ein Leben nach dem Tod glauben. Er holt die Leser ab. Doch nach dem esoterischen Vorgeplänkel (eher ein Kontrastmittel als ein konstruktiver Beitrag zum Konzept) geht es biblisch zur Sache: Aus der Gottesbeziehung des Volkes Israel und der heilsgeschichtlichen Rolle Jesu leitet Lohfink ab, was es zu den Letzten Dingen im Horizont der Exegese vernünftigerweise zu sagen gibt.

Lohfink spricht Klartext. Kein Anbiedern an nebulöse postmoderne Jenseitsvorstellungen („Einswerden mit der Natur“), kein kryptisches Frömmeln, sondern das Aufzeigen einer klar definierten Alternative: Auferstehung oder Nichts. Der Theologe argumentiert für die Auferstehung, auf die alles Geschehen zusteuert und so auch Unverstehbares einem ewigen Sinn zuführt. Der Gedanke, dass diese tiefe Sinnhaftigkeit nicht erst im Tod erkannt wird, sondern bereits das Leben des Christen prägt („Das im Glauben eröffnete Mit-Christus-Sein ist begonnenes Auferstehungsleben“, wie es Joseph Ratzinger einmal zusammengefasst hat) wird von Lohfink elegant entfaltet.

Über die fachliche Expertise hinaus ist das Buch noch aus einem anderen Grund lesenswert: Sein Verfasser schreckt nicht davor zurück, konkrete Hinweise auf gelingenden Glauben zu geben (Teil V: „Was wir tun können“). Die Quintessenz der Darlegung ist folglich auch keine abstrakt-theologische, sondern eine pastorale, die einen in der akademischen Theologie ansonsten eher gemiedenen Begriff fokussiert: die Anbetung. Lohfink: „Anbetung ist die Übergabe des eigenen Lebens an Gott. Anbetung ist Hingabe. Anbetung bedeutet: sich vollständig Gott anvertrauen. In jedem anbetenden Verweilen beginnt schon jetzt die Ewigkeit“. Man möchte „Amen!“ sagen.

Bibliographische Angaben:

Gerhard Lohfink: Am Ende das Nichts? Über Auferstehung und Ewiges Leben.
Freiburg i. Br.: Herder 2017.
328 Seiten, € 28.
ISBN 978-3-451-82104-2.

(Josef Bordat)

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