Ehe für alle?

28. Juni 2017


Der Deutsche Bundestag soll – möglichst bald – über die “Ehe für alle” abstimmen. Als Gewissensfrage, mithin als Frage, deren Antwort eine besondere Gewissheit verlangt. Es beschleicht mich jedoch der Verdacht, dass man gar nicht weiß, worüber man da in letzter Konsequenz abstimmt: Ehe für alle?

Es geht darum, die Definition der Ehe zu ändern. Nicht mehr “Gemeinschaft von Mann und Frau, die sich lieben und bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen”, sondern “Gemeinschaft zweier erwachsener Menschen, die sich lieben und bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen”.

Das ist nicht nur der Abschied vom Naturrecht, wie es das christlich-abendländische Denken entwickelt hat, das im Ehekonzept selbstverständlich auch die mit Liebe und Verantwortung verbundene Bereitschaft zur Annahme leiblicher Nachkommen verortet, nein, das ist – wenn man es genau anschaut – eine Mogelpackung.

Wo bleiben in dem Konzept die Menschen, die sich zu dritt oder zu viert lieben und bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen? Sollen auch zwei alleinstehende leibliche Schwestern heiraten dürfen, weil und soweit sie sich lieben und bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen? Oder der verwitwete Großvater seine 19jährige Enkelin, vorausgesetzt, dass sie sich lieben und bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen? Nein? Warum nicht? Wie: Christentum, Vernunft, Naturrecht? Also, bitte!

Wer Ja sagt zur “Ehe für alle” muss Ja sagen zur Ehe für alle, muss also Ja sagen zur Vielehe, muss Ja sagen auch zur Verwandtenehe, muss freilich Ja sagen zum uneingeschränkten Adoptionsrecht, muss daher am Ende gar Ja sagen zur Leihmutterschaft. Denn sie oder er hat Nein gesagt zum Naturrecht christlich-abendländischer Kultur. Und zur menschlichen Vernunft gleich mit.

Es sei denn, es wird deutlich gesagt, was die Ehe für alle wirklich ist: die Ehe für alle, die sich lieben und bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen und dazu noch einer gesellschaftlich einflussreichen Lobbygruppe angehören, die die Politik vor sich her treiben kann. Für alle anderen nicht.

(Josef Bordat)

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