Die neue Idee der Familie

1. Juli 2017


Kaum ist die „Ehe für alle“ (naja, zumindest für viele) legislativ durch, geht es an die Neuinterpretation des Artikel 6 Grundgesetz. Auch den „Ehe für alle“-Befürwortern ist aufgefallen, dass es dort um Familie geht, vor allem um Kinder. So soll die Schutzwirkung des Artikel 6 Grundgesetz demnächst nur noch für „Familien“ mit Kindern gelten, die neue Linie also nicht mehr zwischen heterosexuellen und homosexuellen Paaren gezogen werden, sondern zwischen Paaren mit Kindern und solchen ohne. Erstere sind Familien, denen Schutz gewährt wird, letztere nicht.

Vielleicht bin ich ja einfach bisher falsch informiert worden, das mag sein. Aber nach allem, was ich weiß, entsteht ein Mensch, weil das Erbgut eines Mannes und einer Frau zusammen das Erbgut des neuen Menschen bilden. Fortpflanzung nannte man das zu meiner Zeit. Wenn dem immer noch so ist, dann können zwei Männer kein Kind miteinander „haben“. Zwei Frauen auch nicht. Es klappt also nur dann mit dem „gemeinsamen“ Kind, wenn (mindestens) eine dritte Person ins „Spiel“ kommt, die entweder anonym ist und bleibt (als Samenspender oder Eizellenspenderin) oder eine sehr enge Verbindung zu dem Kind aufgebaut hat (als „Leihmutter“).

Im ersten Fall muss ein Kind damit fertig werden, den eigenen leiblichen Vater, die eigene leibliche Mutter nie kennenlernen zu dürfen, im zweiten Fall muss eine Frau damit fertig werden, das Kind nach neun Monaten in der intensivsten Beziehung, die es zwischen Menschen gibt, weggeben zu müssen, in einigen Fällen (zwei Männer überlassen die befruchtete Spenderinneneizelle einer genetisch unbeteiligten Leihmutter zum Austragen und Gebären des Kindes) treten beide irritierenden Umstände auf. Auch über die Folgen dieser Umstände sollte man in der Partypause mal nachdenken. Zumindest ganz kurz.

(Josef Bordat)

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