Kardinal Meisners Gewissenskonzept

6. Juli 2017


Über das theologische Erbe des gestern verstorbenen Joachim Kardinal Meisner wird noch intensiv gerungen werden. Im Domradio – der Sender des Erzbistums Köln ist auf Anregung Meisners eingerichtet worden – findet man zahlreiche Stimmen, unter anderem eine Würdigung durch seinen Nachfolger im Amt, Rainer Maria Kardinal Woelki.

Ein Mosaikstein dieses Erbes ist Meisners Darlegung des Gewissenskonzepts in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 2012; damals war Meisner noch Erzbischof von Köln. Meisner kritisierte auf der Linie der Bundestagsrede Papst Benedikts XVI. vom September 2011, dass an die Stelle eines objektiven Anspruchs die subjektive Meinung trete und im politischen Bereich Wahrheit durch Mehrheit ersetzt werde. Was dabei herauskommt, ist klar: ein sich selbst mit sich selbst rechtfertigender Relativismus – Motto: „So sehe ich das!“.

Meisner hielt dem entgegen, dass auch der Gewissensgebrauch einen normativen Grund brauche: „Das autonome Gewissen ohne Gebundenheit an die vorgegebenen Weisungen, Gebote und Normen wäre wie ein Richter, der seine Urteile ohne Gesetz fällt“. Der Mensch brauche die Stimme Gottes als Orientierung für den vernünftigen Gewissensgebrauch. Als Abbild Gottes könne sich der Mensch nur in lebendiger Beziehung zu seinem Urbild entfalten. Darin, so Meisner weiter, liege kein Zwangsmoment, sondern eine schlichte Notwendigkeit für gelingendes Leben.

Gewissen ist mehr als ein persönliches Gefühl, Gewissen ist die „Stimme Gottes“ in uns. Die Lehre der Kirche hat daher keinen anderen Sinn, als diese Stimme zu schulen und zu kräftigen. Daran erinnert uns Joachim Kardinal Meisner. Hochaktuell.

(Josef Bordat)

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