Zeitfenster

10. Juli 2017


Einen Moment, es geht gleich weiter! – So, da bin ich wieder. Ja, tut mir Leid! Es ist nur folgendes: Als Fahrradfahrer muss ich schauen, dass ich in den Regenpausen meine Besorgungen erledige. Daher bestimmt das Wolkenbild meinen Tagesablauf. Klar, ich würde auch gerne mal wieder einen Gedanken zuende bringen oder eine Glosse schreiben, von A bis Z, aber da ist ja noch das R. Und wenn – also: falls – der Regen mal ganz kurz pausiert, muss ich sofort aufs Rad und… sehen Sie: Das meine ich. Das sind immer so drei bis fünf Minuten – „Zeitfenster“, wie man auf neudeutsch sagt. Kommt wahrscheinlich daher, weil man in dieser Zeit das Fenster aufmachen kann. Allerdings sollte man bei offenem Fenster nicht wegfahren, wenn man nicht ganz sicher ist, in drei bis fünf Minuten wieder zuhause zu sein, um das Fenster zu schließen, bevor sich das Zeitfenster schließt. Denn das könn… so, Einkauf erledigt. Wo war ich stehengeblieben? Ach, so – Zeitfenster. Ja, das ist ganz schön schwierig, die Fensterzeit abzupassen. Unsere Nachbarn halten sich dafür eine seltene tropische Schmetterlingsart, die auf geringste Luftdruckveränderungen reagiert und sich bei drohendem Regen unter die Blätter einer Palme flüchtet. Die ist aus Plastik, macht aber nichts. Genau neunzig Sekunden vor dem Niederschlagsende öffnet der Schmetterling im Schutz des Plastikpalmzweigs seine violett schimmernden Flügel und schließt sein Fahrrad auf. Das ist das Zeichen. Sobald der Schmetterlingsindikator anschlägt, ruft unser Nachbar mit Megaphon für alle hörbar: „Jetzt!“. Und alles schwingt sich aufs Rad, um in dem sich unmittelbar anschließenden Zeitfen… Ich muss los. Tut mir Leid.

(Josef Bordat)

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