Benedikt – Schutzpatron Europas

11. Juli 2017


Heute feiert die Katholische Kirche den Heiligen Benedikt. Er gilt als Schutzpatron Europas. Was macht diesen Heiligen aus der Spätantike zu einem Menschen, bei dem Europa Schutz suchen und finden kann? Ich denke, es sind vor allem vier Aspekte der Spiritualität Benedikts, die dafür von entscheidender Bedeutung sind.

Das erste ist Benedikts Wertschätzung der Arbeit. Dazu hatte ich bereits gestern etwas gesagt. Wir haben wenig natürliche Rohstoffe unter dem – verglichen mit Afrika, Asien oder Amerika – winzigen Boden Europas. Unser Wohlstand basiert seit jeher darauf, was wir daraus machen. Der Produktionsfaktor Arbeit ist für die Gesellschaften Europas immer entscheidend gewesen.

Das zweite ist das Gebet, der Gottesdienst oder allgemeiner: die Religion. Ohne Religion lässt sich die Geschichte Europas nicht verstehen. Ohne die Anerkennung von Religiosität als Ressource können die Herausforderungen der Gegenwart nicht bewältigt werden. Und ohne ein friedliches Miteinander der Konfessionen und Religionen, also all derer, die Gebet und Gottesdienst zur Basis ihres Lebens machen, hat Europa keine Zukunft.

Das dritte ist die die Gemeinschaft. Benedikt erkannte, dass den Eremiten eine Ordnung fehlte, eine Lebensregel, deren Beherzigung gemeinsam besser gelingt als allein. So gründete er eine Ordensgemeinschaft, ein Kloster. Das Mönchtum hat hier seinen Ursprung und zugleich verweist es auf die Quelle der christlichen Gemeinschaft: das Zusammenleben der Apostel um Jesus. Gemeinsam geht es besser. Das gilt auch für Europa.

Das vierte ist die Gastfreundschaft. Jedem Menschen, der an die Klosterpforte klopft, sei so zu begegnen, als stünde dort Jesus selbst. Ich hatte die Chance, im Kloster Sant Benet bei Barcelona mehrmals diese Denkweise zu erleben. Benedikt führt sie auf das Gebot Christi zurück, den Fremden bei sich aufzunehmen. Nächstenliebe (oder für das säkulare Europa: Solidarität) darf nicht nur nach innen gerichtet sein, auf die eigene Gemeinschaft, sondern muss offen bleiben für den Anderen, zumal, wenn dieser Not leidet.

Der Heilige Benedikt – ein guter Schutzpatron Europas. Gerade heute.

(Josef Bordat)

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