Penibel für Gleichheit. Kardinal Meisner im Urteil Nikolaus Schneiders

12. Juli 2017


Nikolaus Schneider war von 2003 bis 2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hatte er eine herzliche persönliche Beziehung gegenseitiger Wertschätzung. Dem Kölner Stadtanzeiger verriet Schneider, der von 2010 bis 2014 auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland war, dass Meisner sehr darauf geachtet habe, im historisch eher katholisch geprägten Rheinland bei öffentlichen Auftritten nicht vorrangig behandelt zu werden.

Zitat Schneider: „In unserer gemeinsamen kirchenleitenden Verantwortung hat er darauf geachtet, keine Rangunterschiede in der Vertretung unserer Kirchen nach außen aufkommen zu lassen. Jenes herablassende Wort von katholischer Seite, wir Evangelischen seien doch gar keine ‚richtige‘ Kirche, hat Kardinal Meisner mir gegenüber nie geäußert. Bei gemeinsamen öffentlichen Auftritten hat er penibel darauf geachtet, dass mir die gleiche Achtung entgegengebracht wurde wie ihm. Als etwa bei einem ökumenischen Gottesdienst im Dom mein Stuhl im Altarraum etwas zurückgesetzt von seinem stand, griff er persönlich ein und sorgte dafür, dass wir exakt nebeneinander platziert wurden. Solche kleinen Zeichen waren ihm wichtig. Und ich habe darin – bei aller Härte und Entschiedenheit, mit der er seine katholischen Positionen vertreten konnte – ein Zeichen seines persönlichen Respekts gegenüber der evangelischen Kirche gesehen.“

Kardinal Meisner habe, bei allen konfessionellen Unterschieden, auf deren Beachtung er Wert legte, „entgegen der öffentlichen Erwartung und auch zu meiner eigenen Überraschung ökumenische Impulse gesetzt“, etwa durch die Einführung ökumenischer Vespern zu Beginn der Advents- und Fastenzeit.

(Josef Bordat)

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