Urlaubszeit

14. Juli 2017


Es ist Mitte Juli – Urlaubszeit. In Nordrhein-Westfalen begannen heute die Schulferien, nächste Woche starten die Berliner Schülerinnen und Schüler in die unterrichtsfreie Zeit. Bis Ende August heißt es dann Baden, Spielen, Abschalten. Oder auch verreisen, andere Länder und andere Menschen kennenlernen. Das gilt natürlich nicht nur für die Kinder. Auch ihre Eltern brauchen mal eine Auszeit,

Und Jesus? Hat Er auch mal Urlaub gemacht? Es gibt eine Stelle, die so etwas nahelegt. Nach einer langen Phasen des Heilens und Helfens, des Predigens und Pilgerns befand sich Jesus gewissermaßen im Urlaub: Er hatte sich „in das Gebiet von Tyrus und Sidon“ zurückgezogen (Mt 15, 21), ins heidnische Ausland, wo Er – so sollte man annehmen – endlich mal zur Ruhe kommen konnte, nach Massenspeisung (Mt 14, 13-21) und Massenheilung (Mt 14, 34-36), nach Stress mit den Jüngern (Mt 14, 22-33) und den Pharisäern (Mt 15, 1-20), nach dem Tod seines Cousins Johannes (Mt 14, 1-12). Danach kann und wird es weitergehen: Massenheilung (Mt 15, 29-31) und Massenspeisung (Mt 15, 32-39). Jetzt aber ist zwischenzeitlich einmal „Sendungspause“.

Ausgerechnet mitten im Urlaub kommt nun eine Frau mit einer Bitte zu Jesus. Er, der sonst durch Seine entgrenzende Liebesethik bekannt ist, der gerade keine Unterschiede machen will zwischen Menschengruppen, der auch schon mal die verhassten Samariter zum moralischen Musterbeispiel macht, verweigert sich ihr zunächst (vgl. Mt 15, 21-28).

Dabei ist die Angelegenheit durchaus ernst: „Meine Tochter wird von einem Dämon gequält“. Und die Frau weiß, dass es in diesen Fällen keine bessere Hilfe gibt als ein Machtwort dessen, dem selbst die Dämonen gehorchen müssen. Deshalb wendet sie sich an Jesus: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!“ Doch Jesus reagiert nicht. Seine Jünger bitten Ihn, Er möge sich der Frau annehmen, schon deshalb, damit sie ihre Ruhe haben, „denn sie schreit hinter uns her“.

Aber Jesus will ihr nicht helfen. Er entgegnet theologisch: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Zu diesen gehört die Frau nicht, sie kommt aus einem anderen Stall. Warum nur ist Jesus hier so hartherzig, wie es scheint? Nun, Jesus ist ganz Gott und ganz Mensch. Als Mensch muss Er mit Seinen Kräften haushalten und sich auf Seine Kernkompetenz konzentrieren. Es hat keinen Sinn, über blinden Aktionismus die eigentliche Sendung zu vergessen: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen“. Das sieht selbst die Frau ein, trotz ihrer Not: „Ja, du hast recht, Herr!“.

Schließlich beansprucht sie nur das, was Jesus für sie übrig hat, denn „selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen“. Eine hartnäckige Frau, die nicht auf den Mund gefallen ist! Es ist schließlich die Penetranz der kanaanäischen Frau, die nicht aufgeben will, die festhält an Gott und an Jesus, obwohl sie allen Grund hätte, sich enttäuscht abzuwenden. Das beeindruckt schließlich auch den Herrn: „Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.“ Und es geschieht.

Wie groß ist unser Glaube? Wie sehr bitten wir Christus, uns zu helfen? Diese Stelle des Matthäusevangeliums ruft uns auf, dran zu bleiben in Bitte und Gebet. Und: Sind wir in der Lage, Ruhe und Erholung zu finden, uns zurückzuziehen? Gerade Menschen, die von Berufs wegen helfen und heilen, Menschen in kurativen und karitativen Berufen, sind oft davon betroffen, auszubrennen, weil sie bis zur totalen Erschöpfung arbeiten. Letztlich ist das Zögern Jesu gegenüber der Frau also auch ein Plädoyer für Ruhe und Erholung zur rechten Zeit. Um nach dem Urlaub wieder durchstarten zu können. Wie Jesus.

(Josef Bordat)

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