Leid und Licht

17. Juli 2017


Aleppo. Sinnbild sinnloser Zerstörung, Symbol des Syrienkriegs. Dreiviertel der Einwohner ist tot oder vertrieben, die Gebäude liegen in Trümmern. Wer es schafft, verlässt die Stadt. Einer geht hin: Ibrahim Alsabagh. Der in Damaskus geborene Franziskanerpater lässt sich 2014 von seinem Studienort Rom nach Aleppo versetzen. Über seinen Alltag in der zerstörten Stadt hat er ein Buch geschrieben, das nun im Herder-Verlag erschienen ist: Hoffnung in der Hölle.

Es enthält Briefe und Aufzeichnungen, die von einer Welt erzählen, die wir nur aus den Nachrichten kennen. Es berichtet von den Erfahrungen aus zwei Jahren Krieg und Gewalt. Es hilft, die Distanz zu überwinden, zumindest gedanklich. Es ist nicht nur ein authentisches Zeugnis eines engagierten Ordensmanns, sondern zugleich ein flammendes Plädoyer für den Frieden in dem Konflikt, der einfach nicht enden will.

Im ersten Teil wird der Newsletter dokumentiert, den Pater Alsabagh in den Jahren 2015 und 2016 an seine Freunde in Italien versandte. So lässt sich nachvollziehen, wie sich die Lage in Aleppo in dieser Zeit entwickelte und wie der Franziskaner damit umging. Mit den Menschen, die hilfesuchend in seine Gemeinde kommen, mit den Versuchen, seine Kirche zu zerstören, damit, dass auch Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser regelmäßig angegriffen werden, damit, dass Beerdigungen den Gemeindealltag bestimmen.

Der zweite Teil des Buchs enthält Interviews und Zeugnisse. Sie schildern die vielfältigen Eindrücke aus den Begegnungen, die Pater Alsabagh ebenso bewegten wie bereicherten und die festgehalten und veröffentlicht wurden, um uns im Glauben zu stärken. Selten wurde überzeugender von der Bedeutung des Martyriums geschrieben, davon, „Zeugnis abzulegen für eine Schönheit, eine Wahrheit, die größer ist als die dramatische Situation“. Es ist diese Kraft des Christentums, die das Buch über seine Dokumentationsfunktion hinaus wertvoll und lesenswert macht.

Was den Menschen in Aleppo bleibt, ist die Hoffnung auf Frieden. Pater Ibrahim Alsabagh beschreibt die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest 2016 als Anbruch einer „Zeit der Hoffnung, die Zeit des Lichts, des Übergangs von der Knechtschaft, der Gefangenschaft, zur Freiheit der Kinder Gottes“. Die Gemeinde hat „die Kirche geschmückt, überall kleine Lichter entzündet“. Und das Licht werde kommen, so der Franziskaner – „das weiß ich gewiss!“.

Bibliographische Angaben:

Ibrahim Alsabagh: Hoffnung in der Hölle. Als Franziskaner in Aleppo.
Freiburg i. Br.: Herder 2017.
192 Seiten, € 18.
ISBN 978-3-451-37863-8.

(Josef Bordat)

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