Misshandlung und Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen. Abschlussbericht

18. Juli 2017


Die Untersuchungen zu Fällen von Misshandlung und Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen sind abgeschlossen. Rechtsanwalt Ulrich Weber hat heute den rund 450 Seiten starken Abschlussbericht vorgestellt. Daraus geht hervor, dass seit 1945 bei den Domspatzen 500 Kinder Opfer körperlicher Gewalt wurden, 67 Kinder auch Opfer sexueller Gewalt.

Von 49 Tätern ist die Rede, neun von ihnen hätten zudem sexuelle Gewalt ausgeübt. Bis in die 1990er Jahre hinein werden Gewalterfahrungen berichtet, zudem herrschte dem Bericht zufolge immenser psychischer Druck aufgrund der hohen Leistungserwartung seitens der Verantwortlichen bei den Domspatzen. Der Schwerpunkt der Taten liegt unterdessen in den 1960er und 1970er Jahren.

Insgesamt besuchten seit 1945 etwa 4500 Schüler das Internat des weltberühmten Knabenchors. Damit wäre jeder Neunte von physischer Gewalt betroffen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass Lehrern und Erziehern die körperliche Züchtigung über weite Strecken des Untersuchungszeitraums erlaubt war, in Bayern bis 1982. Niemals erlaubt war der sexuelle Missbrauch, der etwa jedem 70. Schüler widerfuhr. In jeder zweiten Klasse gab es damit einen Fall von sexuellem Missbrauch. Eine bleibende Mahnung für Gegenwart und Zukunft.

Rechtsanwalt Weber bestätigte den Domspatzen aktuell eine „zeitgemäße Pädagogik“ sowie eine „hohe Sensibilisierung“. Er äußerte den Wunsch, dass seine Aufklärung dazu beiträgt, dass Opfer mit dem dunklen Kapitel abschließen könnten. Die Diözese Regensburg hat ihnen bereits „Anerkennungsleistungen“ zwischen 5.000 und 20.000 Euro pro Person zugesagt.

(Josef Bordat)

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