Mose

19. Juli 2017


Die Geschichte von Mose, die wir in der Liturgie dieser Woche hören, ist doch immer wieder faszinierend. Da sucht Gott sich ausgerechnet einen geflohenen Straftäter aus, um Sein Volk in die Freiheit zu führen. Mose, aufgewachsen am Hof des Pharao, ist untergetaucht, weil ihm die Todesstrafe drohte, nachdem er einen Ägypter erschlagen hatte. Er kommt bei einer Priesterfamilie in Midian unter und arbeitet als Hirte. Bei der Arbeit entdeckt er eines Tages einen brennenden Dornbusch, aus dem Gott zu ihm spricht, sich als der Daseiende offenbart und die Befreiung der versklavten Israeliten ankündigt – durch ihn, Mose.

Theologisch ist die Selbstoffenbarung Gottes entscheidend, gerade auch aus christlicher Sicht, mit Blick auf den „Gott mit uns“, den Immanuel – Jesus Christus. Aber auch die Person des Mose ist interessant. Er hatte sich zurückgezogen – und wird doch berufen. Gott gibt Niemanden auf. Und Mose wiederum ist aufmerksam für das Zeichen, das Gott ihm gibt. Er geht dem Phänomen „brennender Dornbusch“ nach. Schließlich zeigt er Gott seine Bereitschaft: „Hier bin ich“ (Ex 3, 4). Klar, die Sache ist ihm nicht geheuer („Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?“, Ex 3, 11), aber er stellt sich zur Verfügung.

Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht – Mose hat (entgegen allen Prognosen) Erfolg, führt das Volk Israel durch die Wüste ins gelobte Land, das nur er selbst nicht mehr betreten kann. Doch in dem Moment der Berufung konnte er nicht wissen, wie die Sache ausgehen wird. Das aus menschlicher Sicht doch wahrscheinlichste war, dass man ihn am Hof des Pharao als den flüchtigen Straftäter erkennen und sofort hinrichten würde. Ein Wahnsinn also, sich auf Gottes Plan einzulassen. Mose selbst war äußerst skeptisch, ob er das Zeug zum Volkshelden hat. Doch Gott überzeugt ihn durch Seine Zusage: „Ich bin mit dir“ (Ex 3, 12), bekräftigt durch Seinen Namen, denn Er ist der „Ich-bin-da“ (Ex 3, 14).

Wenn wir also etwas mitnehmen können aus der Geschichte des Mose, dann die Bedeutung des Gottvertrauens angesichts von Aufgaben, für die wir uns zu schwach fühlen. Wir müssen zwar keine Völker aus der Sklaverei führen, aber manchmal reicht es als überfordernde Herausforderung schon, sich selbst von der Sklaverei einer schlechten Angewohnheit befreien zu wollen. Dann sollen wir uns an Mose erinnern. Und an den Namen Gottes: Ich bin da.

(Josef Bordat)

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