Was uns alle scheren sollte

20. Juli 2017


Es gibt zwei Dinge, die ich heute Vormittag vergessen habe zu erwähnen. Sie lassen sich mit dem Gedanken allgemeiner ethischer Relevanz des Konstrukts „Ehe für alle“ i. V. m. „Recht auf Kinder“ überschreiben. Also: Es sollte uns alle scheren.

1. Spiegelneuronen und die Frage der moralischen Entwicklung

Wenn es stimmt, dass für die Fähigkeit, Empathie zu entwickeln, Spiegelneuronen (mit)verantwortlich sind (vgl. etwa Bauer, Joachim: Warum ich fühle, was du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Hamburg 2005 und Rizzolatti, Giacomo / Corrado Sinigaglia: Empathie und Spiegelneurone. Die biologische Basis des Mitgefühls. Frankfurt a.M. 2008), und wenn es weiterhin stimmt, dass für die Bildung von Spiegelneuronen die Beziehung der Mutter zum Kind entscheidend ist (derzeit Stand der neurowissenschaftlichen Forschung), wäre zu fragen, welche Folgen es für ein Kind hat, ohne die (leibliche) Mutter aufzuwachsen und welche Folgen es für die Gesellschaft hat, wenn diese Kinder einst erwachsen sind. Dazu gibt es keine Studien (die kann es ja auch nicht geben), aber ein Schulterzucken ist angesichts der wissenschaftlichen Befunde zu den Spiegelneuronen unbefriedigend.

2. Patchworkfamilien und die Frage des sexuellen Missbrauchs

Das „Adoptionsrecht für alle“ erhöht die Zahl der Hausgemeinschaften, in denen biologisch nicht-verwandte Kinder leben. Das Risiko eines sexuellen Missbrauchs steigt, je enger Personen zusammenleben und je weniger sie biologisch verwandt sind.

Ich würde nicht so weit gehen wie Ulrich Kutschera, der mit der Rede von „staatlich geförderter Pädophilie“ im Kontext der Bundestagsentscheidung eine unsachliche und vielen Homosexuellen gegenüber auch ungerechte Zuspitzung vornimmt. Aber klar ist: Je geringe die biologische Bande zwischen „Familienangehörigen“ ist, desto größer ist das Risiko von sexuellem Missbrauch – unabhängig davon, ob es eine gleichgeschlechtliche oder verschiedengeschlechtliche Beziehung ist, um die sich die Patchworkfamilie gruppiert. Bereits jetzt geschehen drei von vier Missbrauchsfällen in den Familien, überdurchschnittlich oft sind mit dem Opfer biologisch nicht-verwandte Menschen die Täter (insbesondere Stiefväter), weil bei diesen die biologische Hemmschwelle entfällt. Auch das sollte man nicht leichtfertig ignorieren.

(Josef Bordat)

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