Ein unmaßgeblicher Vergleich

21. Juli 2017


Zunächst ein paar Zahlen.

1. Sexueller Missbrauch in britischem Sport (nicht-katholisch)

Mutmaßliche Opfer: 741
Mutmaßliche Täter: 276
Zeitraum der Taten: “letzte Jahrzehnte” bis 2016
Zugriffe auf Artikel vom Juli 2017 (pro Tag): 17

2. Sexueller Missbrauch in bayrischem Chor (katholisch)

Mutmaßliche Opfer: 67
Mutmaßliche Täter: 9
Zeitraum der Taten: 1945-1992
Zugriffe auf Artikel vom Juli 2017 (pro Tag): 51

Bonus-Fakt: Gibt man in eine bekannte Suchmaschine “Sexueller Missbrauch in britischem Sport” ein und lässt man sich aktuelle Beiträge nach “Relevanz” sortiert anzeigen, erhält man neben weniger einschlägigen Texten (“William und Kate besuchen Straßenkinder in Marzahn”) an sechster Stelle wenigstens etwas zum Thema: “Regensburger Domspatzen: Mindestens 547 Chorknaben wurden …”.

Missbrauch. Einmal katholisch, immer katholisch.

Und wer nun meint, sexueller Missbrauch sei, wenn schon nicht ausschließlich ein Problem der Kirche, dann eben auch noch eines des britischen Sports, aber dann müsse es auch mal gut sein, der sei auf eine Studie der Sporthochschule Köln und der Universitätsklinik Ulm aus dem Jahr 2016 verwiesen, nach der von 1800 deutschen Kaderathleten ein Drittel mindestens einmal sexualisierte Gewalt erfahren habe. 600 Opfer. Etwa 200 der Opfer sind über einen längeren Zeitraum mehrfach missbraucht worden. Pscht!

Der Artikel dazu aus dem Februar 2017 wurde im Monat des Erscheinens 24 mal pro Tag gelesen.

Und, wie lange haben Sie gebraucht, diesen Text zu lesen? Sieben Minuten? Statistisch wurden in dieser Zeit in Deutschland vier Kinder sexuell missbraucht. Und jetzt das fünfte.

Aber was ist das schon gegen einen katholischen Chorleiter, der vor 50 Jahren mutmaßlich ein Kind geohrfeigt hat.

(Josef Bordat)

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