Ein Besuch auf der IGA

25. Juli 2017


Seit Mitte April findet im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf die Internationale Gartenausstellung (IGA) statt. Noch bis Mitte Oktober kann das Gelände durchwandert und – mit einer Seilbahn – überflogen werden.

Die Seilbahn quert das Areal in luftiger Höhe. Foto: JoBo, 7-2017.

Für Berlin-Besucher bietet der Park eine grüne Alternative zu Museen und Ministerien, für Berliner ist es eine Gelegenheit, die „Gärten der Welt“ zu besuchen, die anlässlich der IGA besonders schön herausgeputzt wurden. Diese Gelegenheit haben wir am Wochenende genutzt.

Das Wort ist Metallkonstruktion geworden. Im Christlichen Garten treffen biblische und kirchliche Texte auf saftiges Grün. Foto: JoBo, 7-2017.

Die „Gärten der Welt“ sind das Herz der IGA. Der Christliche Garten, der an den Kreuzgang eines Klosters erinnert, ist einer von ihnen, der Chinesische Garten der vielleicht bekannteste (mit ihm fing alles an), dazu zahlreiche kleinere Gärten, in denen die Landschaftsarchitektur unterschiedlicher Weltregionen und Epochen angedeutet wird.

Der Renaissancegarten. Foto: JoBo, 7-2017.

Doch die IGA bietet mehr als gestutzte Hecken und bunte Blumen. Zwar stehen Gärten und Naturarrangements im Fokus, die Kultur hat aber ebenso ihren Platz. Und damit meine ich nicht einmal die Konzerte und Veranstaltungen in der „Arena“, sondern den Blick auf den Menschen. Ob im Kontext der Verstädterung und Technisierung (der „Park“ aus Los Angeles ist sehr eindrucksvoll) oder im Zusammenhang mit der Begräbniskultur (eine Ausstellung zeigt insbesondere säkulare Gestaltungsmöglichkeiten von Gräbern und Erinnerungsstätten).

Licht und Leben, Abschied und Erinnerung. Begräbniskultur des 21. Jahrhunderts. Foto: JoBo, 7-2017.

Nicht zuletzt zeigt sich die kulturelle Dimension auch im Hinblick auf die Naturaneignung und -nutzung durch den Menschen im Zuge der Agrarwirtschaft. Eine Ackerfläche repräsentiert die 2000qm, die jedem Menschen (statistisch) zur Verfügung steht. Die angebauten Getreide, Gemüse und Feldfrüchte zeigen den jeweiligen Anteil am Gesamtvolumen globaler Landwirtschaft. Und: An den großen Flächen der Hauptanbauprodukte (Soja, Mais, Weizen, Reis) wird zusätzlich markiert, welcher Anteil direkt der Ernährung des Menschen dient, und welcher Anteil der Tierernährung oder der industriellen Verwertung.

Mais – eines der Hauptanbauprodukte auf den Feldern der Welt. Der meiste Mais dient der Ernährung von Schweinen. Foto: JoBo, 7-2017.

Angesichts der frappierenden Daten (ein Drittel der Lebensmittel landet nicht auf dem Teller, sondern im Trog von Masttieren) bekommt die Frage „Reicht die Erde aus, um alle zu ernähren?“ eine zweiteilige Antwort: „Ja, sie reicht schon aus, aber nicht, wenn sie so genutzt wird, wie wir sie nutzen!“ In einem kleinen Minuten-Schnitzel steckt Getreide, mit dem man vier große Brote backen könnte. Die 2000qm reichen gerade aus, um Futtermittel für die Mast von zwei Schweinen anzubauen.

Fleischerzeugung in der Kritik. Foto: JoBo, 7-2017.

Doch dann landen sie wenigstens in irgendeinem Magen. Auch das ist nicht selbstverständlich. Am Rande der Ackerfläche stehen drei Mülltonnen, um die drei Stufen der Lebensmittelvernichtung in unserer Wohlstandsgesellschaft zu repräsentieren. Ein Teil der Erzeugnisse wird bereits vernichtet, bevor die Ware auf den Markt kommt, ein anderer Teil wird zwar vermarktet, aber nicht verkauft und landet in den Abfallcontainern der Discounter und Läden und ein dritter Teil wird zwar verkauft, aber vom Verbraucher letztlich doch nicht genutzt – und weggeschmissen.

Vom Feld in den Müll – Leider viel zu oft der Werdegang von wertvollen Lebensmitteln. Foto: JoBo, 7-2017.

Letzteres haben wir unmittelbar in der Hand, indem wir nur kaufen, was wir auch tatsächlich verbrauchen können, für ersteres braucht es auch politische Rahmensetzungen, die man als Wähler anstoßen kann. Für die mittlere Ebene des unguten Vernichtungsprozesses gibt es Initiativen wie das (nicht ganz legale) „Containern“ oder auch – etwas fortschrittlicher, weil organisiert und legal – das „Foodsaving“.

Gegen Nachmittag beginnt es heftig zu regnen. Unterschlupf bieten nicht nur das Tropenhaus und diverse Cafés, sondern auch die Blumenhalle, in der Gärtner aus der Region ihr Können unter Beweis stellen.

Blick in die Blumenhalle. Foto: JoBo, 7-2017.

Blütenduft und Farbenpracht – nicht nur bei Regen ein Höhepunkt der IGA, deren vielfältige Zugänge zur kulturalisierten Natur in den Zier- und Nutzgärten der Welt einen Besuch in jedem Fall lohnenswert macht. Und wer dazu noch spirituelle Impulse bekommen mag, sei auf den Pilgerweg hingewiesen, den der Förster und evangelische Theologe Michael Duhr an jedem letzten Dienstag im Monat anbietet, also heute, dann am 29. August, am 26. September und schließlich am 10. Oktober, jeweils von 10 bis 14 Uhr.

(Josef Bordat)

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