Populismus in Deutschland

25. Juli 2017


Ein Drittel der Deutschen neigt zu populistischen Aussagen. Das ergab eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Infratest dimap befragte dafür zwischen Juli 2015 und März 2017 dreimal jeweils mehr als 1600 Wahlberechtigte und legte ihnen dabei acht Aussagen zur Bewertung vor.

Populismus wird dabei als eine Haltung aufgefasst, die einfache Lösungen für komplexe Probleme kompromisslos durchsetzen will und dabei das Volk hinter sich wähnt. Wer Aussagen zustimmt, die sich gegen Meinungspluralismus wenden, gegen “die da oben” und gegen Rechtsstaat und Parlamentarismus in der bestehenden Form (“Parteiendemokratie”), gilt als der Studie zufolge als Populist.

Im Ergebnis sind das etwa 29 Prozent. Nur knapp 37 Prozent gilt als unpopulistisch, während die restlichen 34 Prozent als “teils/teils” gelten. Das bedeutet aber nicht, dass ein Drittel der Deutschen nach einem “Führer” ruft. “Populisten in Deutschland sind enttäuschte Demokraten, aber keine radikalen Feinde der Demokratie”, so Robert Vehrkamp, einer der Autoren der Studie.

Populisten sind eher wenig wohlhabend (70 Prozent verdienen weniger als 3500 Euro pro Monat; bei den Nicht-Populisten haben 52 Prozent ein Einkommen, das darüber liegt) und verfügen über keine gute Bildung. 38 Prozent der Populisten hat maximal einen Hauptschulabschluss. Nur 14 Prozent hat Abitur, bei der Vergleichsgruppe sind es 53 Prozent.

Am populistischsten sind die Anhänger der AfD (mit deutlichem Abstand zum Rest) und der Linken, am wenigsten populistisch die Wähler von Union und Grünen. Die SPD-Wählerschaft liegt vor den Liberalen und nur ein wenig hinter den Linken im “oberen Mittelfeld”. So gesehen macht Schulz mit seiner Polemik gegen Merkel und der Entdeckung des Themas “Flüchtlinge” alles richtig, um zumindest die verbliebenen 23 Prozent fest an die Partei zu binden.

(Josef Bordat)

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