Jüngste Beiträge zur deutschen Sprache

4. August 2017


Große Persönlichkeiten unserer Kulturgeschichte haben ihren Namen in die deutsche Sprache eingebracht. Man denke etwa an Rudolf Diesel, Gottlieb Daimler, das Verb „röntgen“, das auf den Erfinder des Verfahrens, Wilhelm Conrad Röntgen, zurückgeht und so weiter. Ältere Leserinnen und Leser kennen vielleicht noch das „Fringsen“. Jüngere kennen Peter Hartz.

Auch heute gibt es berühmte Persönlichkeiten, die dringend Eingang in die deutsche Sprache finden sollten. Mal abgesehen von „helenefischerisieren“ (eine an und für sich gute Sache durch Show und Kommerz zerstören). Einige besonders augenfällige Neologismen möchte ich Ihnen gerne vorstellen.

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Schulzen: Eine Sache unberechtigt mit gigantischen Vorschusslorbeeren bedenken. Beispiel: „Hier steht es in der 73. Spielminute Null zu Vier. Riesenenttäuschung auf den Gesichtern der Fans. Ist die Mannschaft vor der Saison vielleicht zu sehr geschulzt worden?“

Merkeln: Weitreichende Versprechungen machen, die Andere halten sollen. Beispiel: „Es gibt jetzt kein Eis!“ – „Mami hat uns das aber gemerkelt!“ – „Ich hab mein Portemonnaie nicht dabei.“ – „Dann gehst Du eben nach Hause und holst es!“ – „Das sind fünf Kilometer!“ – „Na, und? Gemerkelt ist gemerkelt!“

Neymar, das: Verrechnungseinheit für Bauprojekte der öffentlichen Hand. Beispiel: „Die Mehrkosten für den Berliner Elbflughafen betragen bis dato 7,3 Neymar“.

Claudiarothen: Von nichts eine Ahnung haben, aber (im Ergebnis erfolgreich) so tun, als ob. Beispiel: „Und, wie war die Mündliche?“ – „Bestanden!“ – „Glückwunsch!“ – „Ja, der Prof hat nicht gemerkt, wie sehr ich am Claudiarothen war!“

Einen Löw haben: Eine Reihe nicht unbedingt zu erwartender Erfolgserlebnisse genießen. Beispiel: „Gestern die WG-Party, heute kommt ein Brief: Heizkostenrückzahlung!“ – „Mann, Du hast aber auch einen Löw im Moment!“

Zuckerbergsch (sächsisch): 1. s. „Neymar“, 2. Neugierig. Beispiel: „Hastn da in der Tüte?“ – „Jetz sei ma nich so zuckerbergsch!“

Trumpen: 1. Irrational handeln, 2. Über alles schimpfen, was einem nicht passt oder was man nicht versteht. Beispiel: „So ein Mistwetter! Und der Kaffee ist auch zu dünn! Wo bleibt denn jetzt der Zug?“ – „Jetzt trump hier nicht rum, ich kann es doch auch nicht ändern!“

Wolfen: Zumüllen. Beispiel: „Die Weltmeere sind so gewolft wie nie zuvor in der Geschichte.“ Oder: „Kann mal jemand den Wolf rausbringen?“ – „Och, nö!“ – „Ihr hab es doch gemerkelt!“ – „Dann geh Du halt!“ – „Immer ich!“ – „Hör auf zu trumpen!“

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Also: Der Weiterentwicklung der deutschen Sprache steht nichts im Weg.

(Josef Bordat)

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