Gut gegen Böse

5. August 2017


Das Theater lebt seit 3000 Jahren davon, das Kino kam später dazu: Der Kampf „Gut gegen Böse“ fasziniert den Menschen. Irgendwie brauchen wir das wohl. Neuerdings werden immer öfter auch Sportwettkämpfe als Showdown von Gut und Böse vermarktet. Über die 100 Meter ist es das Duell Usain Bolt (Gut) gegen Justin Gatlin (Böse).

Letzterer hat eine Dopingvergangenheit, eine mit besonderer Schwere. Das muss man wissen. Dennoch: Er darf seit 2010 wieder laufen. Das ist rechtskräftig entschieden worden. Ist es dann fair, ihn als Inbegriff des Bösen aufzubauen, bis auch der Letzte im Stadion und vor dem Fernseher begriffen hat, dass er sich gegen ihn stellen muss, wenn er noch zu den Guten gehören will?

Ich bin gegen Doping und außerdem der Meinung, dass Bolt einer der größten Sportler aller Zeiten ist. Aber ich finde es gut, dass er heute – mit immerhin einer Bronzemedaille – seine Grenzen erfahren hat. Dass dies durch den Sieg Gatlins geschah, ist Ironie des Schicksals. Dass der Gute (Bolt) dem Bösen (Gatlin) zum Sieg gratulierte, wird ihm dann gleich mal übelgenommen, von denen, die bei uns festlegen, was gut ist und was böse. Nicht gut.

Ich habe immer meine Zweifel, wenn alle zu wissen glauben, wer oder was gut ist und wer oder was böse. Auch, weil mit dieser Dichotomie gutes Geld verdient wird. Ich kann mit nicht helfen: Ich finde das gut – diesen Ausgang entgegen der Mehrheitserwartung, die Rückstufung des Mythos zum Menschen und den Respekt, den sich beide Athleten trotz allem augenscheinlich entgegenbringen. Auch, wenn es schrecklich böse ist, das gut zu finden.

(Josef Bordat)

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: