Friedrich Spee von Langenfeld

7. August 2017


Friedrich Spee von Langenfeld (oft auch „Friedrich von Spee“) war ein Jesuit des frühen 17. Jahrhunderts, der bis heute durch seine zahlreichen poetischen Kirchenlieder bekannt ist (einige stehen auch im Neuen Gotteslob), vor allem aber wegen seines Einsatzes gegen das Verfahrensunrecht bei den Hexenprozessen bleibende Bedeutung hat.

Spee wurde am 25. Februar 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren. Mit 12 Jahren wird er Schüler des Jesuiten-Gymnasiums Tricoronatum (Köln), mit 17 erwirbt er die Zulassung zur Universität Köln und beginnt sein Studium (Theologie, Philosophie). 1610 tritt er in den Jesuitenorden ein und geht nach Trier ins Noviziat. Zwei Jahre später flieht er vor der Pest nach Fulda und empfängt 1615 die niederen Weihen.

Spee lehrt an den Ordenskollegien in Speyer, Worms und Mainz Grammatik, Poetik und Rhetorik, ehe er 1622 zum Priester geweiht wird. Seine ersten Liedersammlungen entstehen, während er zugleich seine akademische Laufbahn als Professor für Philosophie in Paderborn fortsetzt. Dann geht er nach Peine bei Braunschweig, um dort die vom Kölner Erzbischof betriebene Rekatholisierung zu unterstützen. Nach seiner Rückkehr nach Paderborn (1629) wirkt Spee eine Zeit lang als Professor für Moraltheologie, ehe er seine Lehrerlaubnis verliert – sein Orden war mit dem, was Spee lehrte, nicht einverstanden.

1631 erscheint sein Hauptwerk, die Cautio criminalis seu de processibus contra Sagas Liber („Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse“). Das Buch war wenige Woche nach Erscheinen vergriffen und blieb bis ins 18. Jahrhundert hinein wirkmächtig (rezipiert wird die Cautio criminalis etwa von Christian Thomasius und Gottfried Wilhelm Leibniz). In seinem epochalen Werk entlarvt Spee die Hexenprozesse als Farce und die Vollstreckung der Urteile als Mord, während nur einige Jahrzehnte zuvor der religionskritische Jurist und Staatstheoretiker Jean Bodin – nicht zuletzt im Regreß auf den „Hexenhammer“ – die Verfolgung befürwortet hatte. Es zeigt sich: „Die Kritiker kamen wirkungsvoller aus dem kirchlichen Bereich als aus dem säkularen“, ein Befund, der „bis heute frappierend [wirkt]“, wie der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt hervorhebt.

Im Zentrum der Kritik Spees steht die Anwendung der Folter, die damals zur „Wahrheitsfindung“ eingesetzt wurde. Spee hält Folter zwar auch für moralisch verwerflich, doch zunächst und vor allem für verfahrensrechtlich untauglich. Eine Einschätzung, die die päpstliche Inquisition in Rom teilte; sie hatte als erste namhafte neuzeitliche Rechtsinstitution bereits Anfang des 17. Jahrhunderts erkannt, dass Folter zu Fehlurteilen führt und daher ihre Anwendung de facto eingestellt. In den Verfahren vor weltlichen Gerichten wurde weiter gefoltert; in vielen Teilen der Welt bis heute. Kurz vor Spees Tod erscheint sein Goldenes Tugendbuch. Spee stirbt am 7. August 1635 in Trier.

Das Leben und Werk Friedrich Spees von Langenfeld wirkt nach. Im Erzbistum Köln wird er als heiligmäßige Person verehrt. Zahlreiche Schulen, insbesondere im Rheinland, sind nach Friedrich Spee benannt, seine Lieder singen wir im Laufe des Kirchenjahrs immer wieder, besonders im Weihnachts- und Osterfestkreis. Das entscheidende für die ungebrochene Aktualität Spees ist jedoch seine Haltung gegenüber der Folter als juristisch untauglich und moralisch verwerflich. Diese Einschätzung sollte im 21. Jahrhundert dazu führen, das neuerliche Nachdenken über „Rettungsfolter“ in die richtige Richtung zu lenken: Folter ist niemals ein geeignetes Mittel – auch nicht zu einem noch so guten Zweck.

(Josef Bordat)

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