Das Spiel der Deutschen

29. Oktober 2017


Vor 100 Jahren wurde der Deutsche Handballbund gegründet.

Handball ist das Spiel für Kenner. So sangen die „Höhner“ in ihrem Lied für die Heimweltmeisterschaft 2007, die Deutschland bekanntlich gewinnen konnte. Handball ist das Spiel der Deutschen, denn es wurde in Berlin begründet. Das war am 29. Oktober 1917, als sich Vertreter des „Turnraths“ trafen.

Man traf sich, um ein Ballspiel für Mädchen und Frauen zu entwickeln – als Gegenstück zum Fußball, dessen deutscher Verband bereits seit 1900 existierte, das aber von den Turner wenig geschätzt. Es kam aus England – also dem Land eines Kriegsgegners – und galt als Unterschichtensport.

Das deutsche Spiel sollte anders sein. Eleganter. Weiblicher. Es sollte weniger körperbetont, dafür aber schnell sein, Geschick und Wendigkeit erfordern. Heraus kam das, was damals als „nettes Bewegungsspiel“ bezeichnet wurde. Und schon bald als „Handball“.

Seitdem hat sich Handball stark verändert. Nicht nur, dass es heute auch von Männern gespielt wird (in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch ausschließlich), es ist auch härter und noch schneller geworden. Das liegt vor allem daran, dass man Handballspiele heute nicht mehr auf einem großen Feld, sondern in einer kleinen Halle austrägt. Seit den 1970er Jahren wird praktisch nur noch in der Halle gespielt.

Deutschland hatte von Beginn an Erfolg in „seinem“ Spiel. 1936 gewinnt der Gastgeber Olympia-Gold (auf dem Feld) und wird 1938 Weltmeister (in der Halle). Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Handball mit deutschen Auswanderern in der ganzen Welt verbreitet. 1946 wird der Weltverband IHF gegründet. Deutsche Trainer sind beliebt. Die Erfolge jedoch wurden durch die zunehmende Konkurrenz in Europa etwas seltener.

Immerhin: Die Bundesrepublik wurde 1978 Weltmeister und gewann 1984 die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen – ohne die Ostblockländer, die damals überragend spielten – die DDR hatte zuvor in Moskau Gold gewonnen. Nach der Wiedervereinigung gab es zahlreiche Erfolge für den deutschen Handball: Nicht nur die Weltmeisterschaft 2007 wurde gewonnen, auch die Europameisterschaften 2004 und 2016. Dazu gab es einige Medaillen bei Olympia.

Aushängeschild des Vereinshandballs waren lange Zeit Großwallstadt und Gummersbach, heute sind es die „Nordlichter“ Kiel, Flensburg und Hamburg sowie immer mal wieder eine neu formierte Mannschaft mit zahlungskräftigem Sponsor, wie die Rhein-Neckar-Löwen. Auch Berlin hat mit den Reinickendorfer Füchsen aktuell ein Spitzenteam.

Herzlichen Glückwunsch, deutscher Handball!

(Josef Bordat)

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