Heiliger mit Besen

3. November 2017


Am Mittwoch haben wir Allerheiligen gefeiert. Und dabei ganz unterschiedlicher Menschen gedacht, die auf ganz unterschiedliche Weise die Brücke zwischen Welt und Gott geschlagen haben. Wir haben vielleicht an unseren Namenspatron gedacht oder an die bekannten Heiligen der nächsten Wochen. An Martin von Tours zum Beispiel.

Es gibt auch viele weniger bekannte Heilige, die es sich genauer zu betrachten lohnt. Einer von ihnen ist Martin von Porres. San Martín de Porres wird in Peru landesweit verehrt. In vielen Kirchen steht der dunkelhäutige Heilige mit seinem ikonographischen Attribut – dem Besen. Hierzulande ist er eher unbekannt. Das ist schade, denn sein Wirken ist ein gutes Beispiel für Heiligkeit – Demut, Askese und tätige Nächstenliebe ergänzen sich zu einem christlichen Leben, gegen Widerstände des Zeitgeistes.

1569 in Lima geboren, trat Martín de Porres 1594 als Laienbruder in das dortige Dominikanerkloster ein. Seine Herkunft väterlicherseits ermöglichte diesen Schritt, seine Herkunft mütterlicherseits machte ihm das Leben im Konvent schwer. Als Sohn eines spanischen Adligen und einer Sklaventochter aus Panama trug er einen vornehmen Namen, doch seine dunkle Hautfarbe verriet, dass etwas nicht stimmt mit ihm. So meinte man zumindest.

Als Mulatte hatte er im Kloster einfache Dienste zu verrichten. Den Hof fegen zum Beispiel – daher der Besen als sein „Markenzeichen“. Erst 1603 wird er in den Predigerorden aufgenommen. Im Konvent widmet er sich fortan der Krankenpflege und gründet gemeinsam mit seiner Schwester in Lima ein Waisenhaus und andere karitative Einrichtungen, für er bis zu seinem Tod (1639) aufopferungsvoll wirkt. Das bringt ihn rasch in den Ruf der Heiligkeit.

Die Kirche braucht indes etwas länger, um diesen Ruf formell zu beglaubigen: 1837 wird Martín de Porres von Papst Gregor XVI. selig- und 1962 von Papst Johannes XXIII. Heiliggesprochen – über 300 Jahre nach seinem Tod. Vom Heiligen der marginalisierten Nachfahren afrikanischer Sklaven wurde Martín de Porres schnell zum Heiligen der sozialen Gerechtigkeit, der gut zur Befreiungstheologie passt, die in Peru tief verwurzelt ist. Zahlreiche Bruderschaften und katholische Vereinigung halten den ganz besonderen Heiligen bis heute in Ehren – mit Votivmessen und farbenprächtigen Prozessionen.

Die Fremdenführer in der peruanischen Hauptstadt kennen viele Legenden – und ständig kommen neue hinzu. Wie jene davon, San Martín de Porres habe mit Tieren gesprochen – und sie mit ihm. Man merkt den Menschen in Peru an, wie stolz sie auf „ihren“ Heiligen Martin von Porres sind (der Heilige Martin von Tours, „unser“ Sankt Martin, ist dort hingegen nicht so bekannt). Bei Operationen im 20. Jahrhundert sei Martín de Porres den Chirurgen erschienen und habe ihre Hand geführt, wenn diese mit ihrem Medizinerlatein am Ende waren.

Besonders gerne wird den Touristen die Geschichte von der wundersamen Rettung eines Arbeiters erzählt. Martín wurde als Laienbruder streng verboten, sich in Ordensangelegenheiten einzumischen, insbesondere sollte er keine Wunder tun. Das sei den weißen Predigern vorbehalten. Martín gehorchte – und fegte den Hof. Einmal jedoch sah er, wie ein Arbeiter von einer Leiter fiel. Sollte er eingreifen und damit sein Versprechen der Nichteinmischung brechen? Oder sollte er sich daran halten und in Kauf nehmen, dass der Mann zu Boden fällt, sich verletzt, möglicherweise gar tödlich?

San Martín traf eine weise Entscheidung: Er stoppte mit der Hand den Fall des Mannes, der in der Luft stehen blieb, ging zum Prior und bat ihn, kurz mit ihm zu kommen. Er zeigte auf den in der Luft „eingefrorenen“ Arbeiter und fragte: „Darf ich ihn auffangen? Oder soll ich ihn zu Boden fallen lassen?“ Der Prior bat Martín, den Mann zu retten und dieser tat es: Er streckte seine Hand aus, der Mann fiel weiter Richtung Boden, doch bevor er dort aufschlagen konnte, fing Martín ihn auf. Wenn es nicht stimmt, so ist es gut erfunden.

All diese Legenden zeigen einen wahren Kern: Bescheidenheit und Gehorsam, Hilfsbereitschaft und heilsame Kräfte, all das zeichnet San Martín de Porres aus. Seine äußerliche Andersartigkeit ließ ihn erfahren, wie engstirnig Menschen sein können (auch Christen), seine innerliche Besonderheit überwand diese Vorurteile. Ein sehr zeitgemäßer Heiliger, dieser Martin von Porres, an den die Kirche heute denkt.

(Josef Bordat)

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