Hermann Hubert Knaus

19. Oktober 2017


Heute vor 125 Jahren, am 19. Oktober 1892, wird Hermann Hubert Knaus geboren. Der österreichische Gynäkologe entwickelte eine natürliche Methode zur Empfängnisregelung. Knaus Ansatz ist denkbar einfach: Ausgehend von der periodischen Wiederkehr der Menstruation lassen sich die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage – bei Kenntnis der Zusammenhänge – durch bloßes Abzählen ermitteln. Eine ähnliche Idee hatte zeitgleich der japanische Wissenschaftler Kiusako Ogino. Daher heißt diese Art der Empfängnisregelung “Kalendermethode nach Knaus-Ogino”.

Die natürliche Empfängnisregelung verlangt ein hohes Maß an Selbstdisziplin, denn sie basiert einerseits auf einer exakten “Buchführung” und andererseits auf der Bereitschaft zur periodischen Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage.

Sie gilt als unsicherer als künstliche Methoden der Empfängnisverhütung. Die Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe nennt einen Pearl-Index von 9 bis 40, abhängig von der Regelmäßigkeit der Periode und der mehr oder weniger disziplinierten Umsetzung. Die Antibabypille hat tatsächlich einen Pearl-Index von 1 bis 12, abhängig von der individuellen Einnahmepraxis.

Das heißt: Eine konsequente Anwendung der “Kalendermethode” ist sicherer als die Pille, wenn diese nicht wirklich regelmäßig eingenommen, die Einnahme also nicht etwa öfter mal vergessen wird. Noch sicherer wird sie freilich in Kombination mit anderen natürlichen Methoden.

Was jedoch – unabhängig von der jeweiligen Anwendungspraxis – zweifellos feststeht: Die “Kalendermethode” hat keine Nebenwirkungen. Hormonelle Probleme sind nicht zu erwarten. Und: Die Katholische Kirche erlaubt diese Art der Empfängnisregelung (eine Verhütung ist es im engeren Sinne ja nicht – in Sachen Beischlaffrequenz gibt es ja kirchlicherseits keine objektiven moralischen Vorgabe).

Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt dazu: “Die zeitweilige Enthaltsamkeit sowie die auf Selbstbeobachtung und der Wahl von unfruchtbaren Perioden der Frau beruhenden Methoden der Empfängnisregelung entsprechen den objektiven Kriterien der Moral. Diese Methoden achten den Leib der Eheleute, ermutigen diese zur Zärtlichkeit und begünstigen die Erziehung zu echter Freiheit” (Nr. 2370).

Hermann Hubert Knaus hat seine Forschungsergebnisse 1929 auf der 21. Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie in Leipzig vorgestellt. Eigentlich hätte er dafür einen Nobelpreis verdient gehabt. Für den war er 1936 auch vorgeschlagen worden. Allein: Bekommen hat ihn ein Anderer. Knaus‘ Thema war vielleicht bei den Entscheidern in Stockholm nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Menstruationszyklen, Eisprung, Enthaltsamkeit. Über den Nobel entschieden damals vor allem Männer.

(Josef Bordat)

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