Facetten des Gottvertrauens

28. September 2017


Gottvertrauen ist bedingungslos, sonst ist es nicht. Bedingungslos ist das Vertrauen aber erst, nachdem es dem Menschen unter der Bedingung seiner freien Entscheidung, seiner willentlichen Zustimmung möglich war, sich dem Willen Gottes zu unterstellen und auf Gott zu vertrauen. Dann aber: bedingungslos.

Gottvertrauen umfasst immer auch das Vertrauen auf das Gute und Heilsame, das Gott durch die Schöpfung hervorgebracht hat, vor allem durch die Vernunft des Menschen. Aber weder sie noch ihre Früchte sind das letzte Ziel des Vertrauens. Das ist allein Gott.

Gottvertrauen ist nicht blind, sondern sehend, auf Gott schauend. Es ist kein Akt der Selbstaufgabe, sondern der Selbstverwirklichung, insoweit der Mensch erst im Vertrauen frei und in der Freiheit handlungsfähig wird. Und wenn Leben Handeln bedeutet, dann kann er nur vertrauend wirklich leben.

Gottvertrauen ist dabei nur eine Möglichkeit des Vertrauens. Man kann auch einem anderen Menschen vertrauen, der Wissenschaft, der Partei, einer philosophischen Lehre, einem Guru oder sich selbst. Bis zu einem gewissen Grade mag das auch vernünftig sein, problematisch wird es unter der Annahme, man gelange dadurch zur Freiheit der Handlungs- und Lebensfähigkeit.

Gottvertrauen kann nämlich dadurch nicht ersetzt werden. Wenn Gott die Schöpfung unter das Prinzip der Freiheit stellt – und damit alles Handeln und Leben –, dann hat es keinen Sinn, jemandem oder etwas bedingungslos zu vertrauen, der, die oder das selbst jener Schöpfung unterworfen und damit ein ebenso nach sinnvollen Strategien der Kontingenzbewältigung suchendes Geschaffenes ist, sei es ein Mensch, ein soziales System oder auch eine bestechend gute Idee.

Gottvertrauen setzt auf Gott als den, der wirklich durchs Dunkel der Zeit führen kann, unabhängig von den Bedingungen, denen der Mensch im Allgemeinen unterworfen ist und den besonderen Schwierigkeiten jedes Einzelnen. Das allein rechtfertigt das bedingungslose Vertrauen. Und das allein schafft eine Freiheit, die wirklich zum Handeln und Leben befähigt.

(Josef Bordat)

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