Christi Himmelfahrt

25. Mai 2017


Vierzig Tage nach Ostern feiern wir Christi Himmelfahrt. Der Auferstandene, der vierzig Tage lang seinen Jüngerinnen und Jüngern erschienen war, dessen verklärter Leib schon auf Seine Erhöhung zu Gott hingedeutet hatte, der Seine Auffahrt selbst ankündigte („Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“, Joh 20, 17), Er ist nun ganz bei Gott. Er sitzt „zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“.

Geradezu nüchtern stellt der Evangelist Markus fest: „Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes“ (Mk 16, 19). Als sei das die erwartete Routine. Die Himmelfahrt Christi ist jedoch alles andere als Routine, sie ist ein einschneidendes Ereignis im Heilsplan Gottes.

Mit dem Heimgang des Sohnes zum Vater endet die irdische Mission Jesu. Der menschgewordene Gott, der greifbare Jesus ist nicht mehr in der konkreten körperlichen Weise präsent, der historisch für alle merkliche Einschnitt, der eine neue Zeitrechnung beginnen ließ, nicht mehr unmittelbar nachzuvollziehen. Das Thomas-Thema der Wahrnehmbarkeit des Göttlichen ist von nun an der Begleiter jedes Menschen in der Nachfolge Jesu.

Mit dem Heimgang des Sohnes zum Vater endet die irdische Mission Gottes aber noch lange nicht. Denn wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, so sind es nur noch zehn Tage bis Pfingsten. Mit dem Pfingstereignis beginnt eine neue Zeit, in der die Kirche, gelenkt vom Heiligen Geist, das Erbe Christi verwaltet und in ihren Sakramenten Gottes Liebe zu den Menschen zeichenhaft ausdrückt.

Christi Himmelfahrt ist also nicht der endgültige Abgang Jesu, dem wir wehmütig hinterher schauen, weil er uns verlässt, ja, weil er uns im Stich ließe, sondern der Heimgang Jesu, mit dem Er die Voraussetzung für den nächsten Schritt der Gemeinschaft des Dreifaltigen Gottes mit dem Menschen schafft, denn indem Jesus Seine Menschheit mit zum Vater nimmt, kann die Menschheit insgesamt zu Gott gelangen. Dieses Projekt beginnt zehn Tage später, an Pfingsten, mit dem Aufbau der Kirche Jesu Christi durch den Heiligen Geist.

So soll die Kirche, das ist Gottes Wille, nicht staunend stehen bleiben und gen Himmel starren (vgl. Apg 1, 10–11), sondern in die Welt hinaus gehen und in der Kraft des Heiligen Geistes die Botschaft des heimgegangenen Sohnes verkündigen, der die Wahrheit des Vaters zu den Menschen brachte. Damit auch heute Menschen Anteil haben an diesem Neuen Bund zwischen Gott und Mensch, soll die Kirche sie unterweisen und taufen – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (vgl. Mt 28, 19-20). An diesem Auftrag hat sich auch 2000 Jahre später nichts geändert.

In der Himmelfahrt Christi wird das Ziel auch unseres Lebens ersichtlich: bei Gott ankommen. Die Himmelfahrt Christi zeigt uns, wozu wir berufen sind: zur Gemeinschaft mit Gott. Das dürfen wir, das sollen wir feiern – nicht (oder zumindest nicht nur) in der oberflächlichen Partylaune eines feucht-fröhlichen Herrentagsumzugs, sondern in der tiefen Freude des Menschen, der sich von Gott geborgen und geliebt weiß.

(Josef Bordat)

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