Im heutigen Evangelium (Mt 13, 1-23) ist für alle etwas dabei. Jesus stellt uns vier Idealtypen vor, die wir nicht nur dann finden, wenn wir uns umschauen, sondern vor allem auch, wenn wir in uns gehen, wenn wir nach innen schauen. Je nachdem, in welcher Phase unserer spirituellen Entwicklung wir uns befinden, können wir uns mit einem oder dem anderen der vier Bilder stärker identifizieren – kennen werden wir sie wohl alle.

Da sind die Menschen, die sich vom Bösen nehmen lassen, was sie eigentlich an Guten geschenkt bekommen haben. Sie hören, was läuft, was „in“ ist, lassen sich beeinflussen, richten sich nach dem Geist der Zeit, dem Gezwitscher der Vögel, die scheinbar so leicht und so frei sind. Den Geist Gottes, den Beistand, lassen sie dabei am Rand stehen, so dass Er ihnen nicht helfen kann. Am Ende wundern sie sich, dass nichts mehr übrig ist vom guten Samen.

Dann sind da jene Gläubige, die in der Bedrängnis einknicken. Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, ob ich die Kraft hätte, in einer Gesellschaft, in der Christen nicht nur ab und an belächelt, sondern massiv bedrängt werden, unter einem Regime, das dies nicht nur duldet, sondern fördert, ob ich dort die Glaubenskraft hätte, weiterhin zum Herrn zu halten. Sind meine Wurzeln wirklich tief genug? So tief, dass ich nicht zu Fall komme?

Weiterhin gibt es Christen, die immer noch allzu sehr von der Welt sind. Ihre Gedanken kreisen permanent um die immanenten Dinge des Lebens. Wie sehe ich aus? Macht sich dieses Engagement wirklich gut im Curriculum? Ist das Hemd gebügelt? Was denken wohl die Nachbarn über unser neues Auto? Die Sorge um Familie und Beruf, Karriere und Cholesterinspiegel ist, damit unser Leben gelingt, nicht unwichtig, doch sie richtet sich nicht auf das Entscheidende – auf Gott. Die Sorge um die Belange des hic et nunc soll uns mithin keine Steine in den Weg der Nachfolge legen.

Schließlich sind da die heiligmäßigen Nachfolger, die Gottes Wort hören, es verstehen und auch danach handeln. Die Gottes Willen tun, Seine Gebote befolgen, Jesus nacheifern und Andere mitreißen. Die „Frucht bringen“, wie es heißt – und an der Frucht soll man den Christen in der Welt ja erkennen. Und damit auch Gott. So führt diese bzw. dieser Heilige die Menschen zum Glauben. Die heiligen Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. sind solche leuchtenden Vorbilder, deren Leben Früchte trug und die Menschen – weit über die Römisch-Katholische Kirche hinaus – positiv angesprochen hat.

Und wir? Wie gesagt: Jesus nennt Idealtypen, die in Reinkultur nur selten mit bestimmten Personen identisch sein werden. Vielmehr sind diese vier Optionen Orientierungen, die in alle vier Himmelsrichtungen an unserem Herzen ziehen. Welcher Richtung geben wir nach, wohin tendieren wir? Wenn wir zu „Typ 4“ wollen, dann zeigen uns die Mängel von „Typ 1“ bis „Typ 3“, woran wir arbeiten müssen: Wir dürfen uns weder ablenken noch abschrecken lassen, müssen im Wort verwurzelt sein und die Sorgen des Alltags ablegen, um Zeit und Raum zu gewinnen, nach dem Gehörten zu handeln.

(Josef Bordat)

%d Bloggern gefällt das: