Engel. Eine Trilogie (3)

19. September 2017


Der September gilt im Katholizismus traditionell als „Engelmonat“, was daran liegt, dass die Kirche das Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael am 29. September feiert. In einigen Gemeinden wird daher an den Dienstagen im September („Engeltage“) die Votivmesse für die Engel gelesen. Hier im Blog möchte ich ein wenig zu erklären versuchen, was es mit den Engeln auf sich hat.

Teil 3: Sie sind für uns da. Engel in der Katholischen Kirche

Die Katholische Kirche hat sich immer zur Existenz von Engeln bekannt. Auf dem Vierten Laterankonzil (1215) stellt die Kirche in einer Definition gegen die Albigenser und Katharer klar, dass der dreifaltige Gott „der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen (ist): er schuf in seiner allmächtigen Kraft vom Anfang der Zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht“ (Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum. Freiburg i. Br. 2014, S. 800). Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870-1871) wurde diese Aussage noch einmal bekräftigt (vgl. Denzinger, S. 3002). Auch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) bekennt sich zur Existenz von Engeln. In Gaudium et spes, der „Pastoralen Konstitution über die Kirche in der Welt von heute“, wird unter Nr. 19 der Psalmist zitiert, der die Stellung des Menschen wie folgt beschreibt: „Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst? Oder des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Wenig geringer als Engel hast du ihn gemacht, mit Ehre und Herrlichkeit ihn gekrönt und ihn über die Werke deiner Hände gesetzt. Alles hast du ihm unter die Füße gelegt“ (Ps 8, 5-7). In Lumen Gentium, der „Dogmatischen Konstitution über die Kirche“, heißt es zunächst eher beiläufig unter Hinweis auf Mt 25, 31: „Bis also der Herr kommt in seiner Majestät und alle Engel mit ihm“ (Nr. 49), um dann nachzulegen: „Daß aber die Apostel und Märtyrer Christi, die mit ihrem Blut das höchste Zeugnis des Glaubens und der Liebe gegeben hatten, in Christus in besonderer Weise mit uns verbunden seien, hat die Kirche immer geglaubt, sie hat sie zugleich mit der seligen Jungfrau Maria und den heiligen Engeln mit besonderer Andacht verehrt“ (Nr. 50). Die Botschaft des Engels an Maria wird zweimal aufgegriffen (Nr. 53 und Nr. 56). Der Katechismus der Katholischen Kirche bekräftigt die Glaubenswahrheit der Existenz von Engeln: „Daß es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich Engel genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit. Das bezeugt die Schrift ebenso klar wie die Einmütigkeit der Überlieferung“ (Nr. 328).

Schließlich kann man von daher verstehen, warum Engel in der Katholischen Kirche eine besondere Verehrung erfahren. Das Erzengelfest, das die ehemals (vor der Liturgiereform im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils) auf das Jahr verteilten Feste der drei uns namentlich bekannten Erzengel Gabriel, Michael und Raphael am Michaelistag (29. September) bündelt, soll uns an die Bedeutung der Engel erinnern. Und in jeder Heiligen Messe gedenken wir der Engel, wenn wir das Schuldbekenntnis sprechen („Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen und euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn“) oder wenn der Zelebrant die Gemeinde einlädt, in den Lobgesang der Engel einzustimmen: „Heilig, heilig, heilig“.

Es steht außer Frage, wer hiermit gemeint ist – nicht die Engel selbst, sondern der, den sie lobpreisen: Gott. Die Verehrung der und der Glaube an Engel kann den Glauben an den dreieinigen und dreifaltigen Gott nicht ersetzen. Auch hier steht die katholische Theologie in biblischer Tradition: Schon Paulus warnt in seinem Brief an die Hebräer vor einer übertriebenen und im Ergebnis falschen Wertschätzung der Engel, vor einer Verehrung, die stattdessen Jesus Christus allein gebührt (vgl. Hebr 1, 4-6). Und nicht zuletzt die Engel selbst lehnen einen Kult um ihr Wirken ab, soweit er vom Urheber der Botschaft oder des Urteils, der Gnade oder der Strafe ablenkt: von Gott. Denn sie verehren Gott, nicht sich selbst. „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen“ (Mt 4, 10). Das ist Leitlinie unseres christlichen Glaubens – bei aller Verehrung derer, die ihrerseits das Gebet und den Dienst in besonderer Weise leben, seien es Engel oder Menschen.

Bleibt die Frage: Woran erkennt man Engel, wenn sie als Vertreter der „unsichtbaren Welt“ für uns sinnlich nicht erfahrbar sind? Eben nicht an ihrem Dasein, sondern an dessen Folgen, nicht an den Flügeln, sondern an den Taten. An ihrem Wirken für uns, denn, so Basilius der Große: „Jedem Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“. Dieser Schutzengel hat damit eine ganz besondere Bedeutung: Er ist von Gott dazu beauftragt und befähigt uns vor Unheil zu bewahren. Entscheidend ist, dass wir das Wirken dieses Schutzengels zulassen. Der große Heilige Johannes Don Bosco sagte einmal: „Der Wunsch unseres Schutzengels, uns zu helfen, ist weit größer als der, den wir haben, uns von ihm helfen zu lassen“. Es braucht Demut, sich die Schwäche einzugestehen, die ein Engel auszugleichen vermag.

Jeder entsprechend offene Mensch, so glauben wir, erfährt durch seinen Schutzengel einen ganz besonderen Segen Gottes. Der Schutzengel wird in traditionellem Liedgut und in speziellen Gebeten verehrt. Ein spanisches Gebet zum Schutzengel ist weit über die Sprach- und Kulturgrenze hinaus bekannt:

Ángel de la Guarda,
dulce compañía.
No me desampares –
ni de noche ni de día.
No me dejes solo,
que me perdería.

Das Gebet spricht von der „süßen Begleitung“ des Schutzengels. Man bittet darum, dass der Schutzengel einen nicht verlässt, weder tagsüber noch in der Nacht, damit man sich nicht verirrt – allein und ohne seinen Schutz. Geben wir ihm also eine Chance, ihm und allen anderen Engeln – mit und ohne Flügel.

(Josef Bordat)

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