Zum Tode Miloslav Vlks

20. März 2017


Vom Tellerwäscher zum Millionär – das kennt man als Klischee. Vom Fensterputzer zum Kardinal – das ist die Wirklichkeit. Zumindest in der Kirche Tschechiens, die einen schweren Stand hatte und hat. Während die Slowaken mehrheitlich katholisch sind, gehört nur rund jeder zehnte Tscheche zur Katholischen Kirche. Die Kirche wurde von den Kommunisten enteignet, der Staat kontrollierte ihre Struktur, ihre Organisation und ihr Personal. Eines der Opfer: Miroslav Vlk.

Während des Prager Frühlings 1968 zum Priester geweiht, wurde Vlk nach dem Scheitern der Demokratisierungsbemühungen seines Amtes als Bischofssekretär in Budweis enthoben und in die Provinz geschickt. Vlk verkraftete den Karriereknick gut und wurde ein guter Seelsorger. Zu gut für den Staat. 1978 wurde ihm die Ausübung des Priesteramts verboten. Bis zu Wende im Jahre 1989 arbeitete er als Fensterputzer und Archivar. In dieser Zeit nahm er Kontakt zur Fokolarbewegung auf und wirkte weiterhin im Verborgenen als Priester.

Nach dem Ende des Kommunismus wurde Vlk zunächst Bischof von Budweis (1990), ein Jahr später Erzbischof von Prag und Primas der Tschechischen Kirche. 1994 verleiht ihm Papst Johannes Paul II. die Kardinalswürde. Unermüdlich setzt sich Vlk für die Neuevangelisierung des tschechischen Volkes ein. Ein schwieriges Geschäft: Das Wissen seiner Landsleute um Religion, Christentum und Kirche ist praktisch gleich Null. Zudem führt er die Verhandlungen mit dem Staat über die Rückgabe der enteigneten Kirchengüter. Ebenfalls kein leichtes Unterfangen.

Der Fokolarbewegung blieb er eng verbunden, als Sprecher der mit den Fokolaren in Beziehung stehenden Bischöfe. Zudem war er lange Jahre Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen und Mitglied im Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel. 2010 nahm Papst Benedikt XVI. sein Rücktrittsgesuch aus Altersgründen an. Am Samstag verstarb Miroslav Vlk im Alter von 84 Jahren.

(Josef Bordat)

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