Lukas Podolski

23. März 2017


Eine Szene wird mir in Erinnerung bleiben von der Heim-WM 2006, dem Sommermärchen mit dem schauerlichen Nachspiel in den letzten Monaten. Meine Frau und ich saßen mit unseren Eltern beim Public Viewing im SonyCenter auf dem Potsdamer Platz und langweilten uns. Auf den Monitoren lief das Achtelfinale zwischen Frankreich und Spanien, ein grottenschlechtes Spiel, das der spätere Finalteilnehmer Frankreich irgendwie für sich entschied. Fragen Sie mich nicht, wie. Ich weiß es nicht mehr. Gerade die Angriffsreihen boten eine ungewöhnlich schwache Leistung. Anti-Fußball.

Mein Schwiegervater murmelte „Lukas Podolski“. Das übertrug sich auf die neben uns gähnenden Zuschauer und irgendwann skandierte das ganze Publikum „Lukas Podolski“. Der Stürmer war damals auf direktem Weg zum Zenit seiner langen Nationalmannschaftskarriere, die ihren Höhepunkt allerdings erst hatte, als Podolski längst wieder auf dem absteigenden Ast war: mit dem WM-Titel 2014. Dazwischen liegen acht Jahre begeistertes und begeisterndes Spiel mit vier erfolgreichen, aber titellosen Turnieren.

Lukas Podolski ist ein Glückskind, das dankbar ist. Der märchenhafte Treffer in seinem Abschiedspiel typisch für ihn: großes Können, aus Talent und Glück geschmiedet. Und Beharrlichkeit. Denn in seinen Vereinen hatte Podolski es oft schwer. Seine große Liebe, der FC, spielte nie international, die großen Bayern passten nicht wirklich zu Podolski. Die Reaktion auf den Abschiedstreffer war auch typisch: „Der liebe Gott – oder wer auch immer – hat mit einen guten Linken gegeben“. Ende der Durchsage. Als Moderator Delling noch einen draufsetzen will, weist Lukas Podolski ihn fast schon zurecht: „Irgendwann is‘ auch mal gut.“ Wie wahr.

(Josef Bordat)

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