Moral gibt es auch ohne Religion und ohne Glauben. Aber nicht ohne Gott.

Relevant ist der religiöse Glaube für die Moral nur insoweit, als jener dem Menschen verdeutlicht, dass diese von Gott kommt. Wer nicht glaubt, ist deswegen noch nicht ohne Moral. Denn Gott hat die Moral in unsere Natur eingestiftet, damit auch die, die nicht glauben, ein moralisches Leben führen können.

Auch der Gläubige braucht daher den Glauben nicht, um ein moralisches Leben zu führen. Doch dem Gläubigen gibt die Gewissheit, dass die Moral die Handschrift des Absoluten trägt, ein zusätzliches Mandat: Auch dann an der Moral festzuhalten, wenn alle Anderen sie lockern.

Das macht immer dann unterscheidend, wenn es um Werte geht, deren Bedeutung angezweifelt wird, man denke etwa an die Menschenwürde. Wer an den Menschen als Geschöpft Gottes denkt, dem sollte es schwerer fallen, die Absolutheit der Menschenwürde infrage zu stellen, als dem, der im Menschen nur eine Laune der Natur erkennt, so gut diese auch sein mag.

Absolute Werte brauchen eine Begründung im Absoluten. Dieses Absolute ist Gott.

(Josef Bordat)