Adventsgesteck

4. Dezember 2017


Angenommen, ein Außerirdischer oder ein Ostdeutscher, also jemand, der mit Kirche nichts am Hut hat, fragte Sie: „Was ist das eigentlich: Advent?“. Was würden Sie ihm antworten? Nun, ich nehme an, der Fall ist klar: So etwas wie „Advent ist die Vorbereitungszeit auf Weihnachten“. Weihnachten, das hat der Ostdeutsche schon mal gehört. Der Außerirdische fragte hingegen weiter: Und was ist „Weihnachten“? Mögliche politisch korrekte Antworten wären dann: „Geschenke“, „Familie“ oder „Das mit dem Baum“. Aha, sagte der Außerirdische daraufhin, kaufte Geschenke für die Familie, und einen prächtigen Baum, und fiele damit nicht weiter auf unter den Menschen. In Ostdeutschland hielte man ihn für einen zugereisten Rheinländer. Was Advent aber in Wirklichkeit bedeutet, erfuhr ich im Rahmen einer besonderen Aktion einer gewöhnlichen Baumarktkette. Advent heißt: Adventsgestecke basteln. Denn nun komme, so der Moderator der Jederfrau- und -mannbastelwerkstatt, die Zeit der Gemütlichkeit, für die es die Wohnung zu schmücken gelte. Die Zeit der Gestecke. Und die müsse man nun basteln, unter Zuhilfenahme der vom Baumarkt günstig vertriebenen Materialien. Diese werden, so lehrte mich eine Mitarbeiterin, in ein halbkugelförmiges, hellgrünes poröses Etwas gesteckt. Daher der Name. Zweige (aus Kunststoff), Holzspieße mit Kugeln oder Tannenzapfen, kleine Äpfelchen und Orangenscheibchen sowie Disney-Figuren befanden sich unter den zu steckenden Artefakten. Und Pappscheiben mit dem Konterfei bekannter Berufsfußballer. Ich steckte Mesut Özil so auf die Halbkugel, dass man – von der Seite betrachtet – den Eindruck hatte, er zirkle ein Äpfelchen über die von Disney’s Prinzessinnenphalanx gebildete Mauer. „Schönes Adventsgesteck haben Sie da!“ Ich weiß.

(Josef Bordat)