Es war ein farbenfroher, lebendiger Gottesdienst, der gestern in der Kreuzberger Liebfrauenkirche die diesjährige Misereor-Fastenaktion einläutete, die unter dem Leitwort steht: „Mut ist, zu geben, wenn alle nehmen“. Zum Gelingen des Eröffnungsgottesdienstes trug ganz erheblich die Musik des Chors Bona Deus bei, der mit afrikanischen Rhythmen die Gläubigen bewegte.

Altarraum

Foto: JoBo, 3-2014.

Dem Gottesdienst stand Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin, als Hauptzelebrant vor. Konzelebranten waren der Erzbischof von Gulu (Uganda) und Vorsitzende der Bischofskonferenz seines Landes, John Baptist Odama, und Guiseppe Filippi, der Bischof von Kotido (Uganda) sowie Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, und der Pfarrer von St. Marien Liebfrauen, Michael Wiesböck.

Auszug

Foto: JoBo, 3-2014.

In seiner Predigt erinnerte Kardinal Woelki an die ungleiche Verteilung der Güter und nannte offen die Ursachen beim Namen: „Die Vernachlässigung der bäuerlichen Landwirtschaft und überhaupt der ländlichen Regionen weltweit, Wetterextreme, Landraub, die industrielle Agrarwirtschaft, Weltmarkt, Spekulation und Verschwendung: all das macht das verzweigte Netz aus, in dem sich die Menschheit heute zwischen zu viel Hunger der einen und doch genug Brot für die anderen verheddert hat.“

Auch im diesjährigen Misereor-Partnerland Uganda müssen viele Menschen hungern. Dabei gebe es weltweit genug zu essen, wie Woelki hervorhebt: „Kein Mensch müsste hungern oder auch nur Mangel leiden.“ Misereor möchte, dass aus dem Konjunktiv der Möglichkeit ein Imperativ der Verantwortung wird: Kein Mensch soll hungern, kein Mensch darf in seiner Armut allein gelassen werden! Dafür organisiert das Hilfswerk in Uganda Projekte, deren positive Wirkung Woelki ebenfalls erwähnt: „Alphabetisierung, Gemeinwesenbildung, geteiltes Alltagswissen und direkte Hungerbekämpfung durch ein neues Bewässerungssystem und Gemüseanbau sind die Bausteine einer besseren Zukunft. Die Menschen mühen sich alltäglich dafür – noch immer mit Hunger im Bauch, doch schon längst nicht mehr das ganze Jahr über.“

Eucharistie

Foto: JoBo, 3-2014.

Woelki verbindet das Engagement des bischöflichen Hilfswerks mit dem Anspruch des Evangeliums, das die Menschen zur Umkehr aufruft: „Deshalb können wir auch anders, können wir solidarisch leben als Schwestern und Brüder, die in Gott ihren gemeinsamen Vater haben. Dieses Wissen lässt atmen, aufatmen. Dieses Wissen schenkt Freiheit und Weite. Denn der Ruf Jesu zur Umkehr geht über das Persönliche hinaus; er will ausgreifen auf gemeinschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, in denen sich der Anbruch des Reiches Gottes in Wort und Tat zeigt.“

Liebfrauen-Kreuzberg

Foto: JoBo, 3-2014.

Wir können anders, können geben statt nehmen. Das erfordert Mut. Das Motto hat Misereor mit Bedacht gewählt. Der Eröffnungsgottesdienst und die anschließende Begegnung bei einer Fastensuppe haben schon ein wenig Mut gemacht: Niemand ist allein unterwegs, der gegen den Hunger in der Welt kämpft. Besonders die Pilgerinnen und Pilger, die schon seit einer Woche mit dem Hungertuch durch Deutschland unterwegs waren, setzen dafür ein deutliches Zeichen. Das Reich Gottes kann beginnen. Hier und jetzt.

(Josef Bordat)