Buch der Woche (4)

14. März 2014


Mich erreichten in den letzten Wochen und Monaten sehr viele Bücher zur Besprechung. Leider finde ich nicht immer die Zeit, diese mit der gebührenden Sorgfalt durchzuarbeiten, um sie fair rezensieren und so zu einem fundierten Urteil kommen zu können. Dennoch erscheinen mir einige der Bücher nach kurzer Durchsicht empfehlenswert, so dass ich sie hier in Jobo72’s Weblog nach und nach kurz vorstellen möchte. Dafür gibt es nun die Rubrik „Buch der Woche“.

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Heute möchte ich einen Essay von Bernhard Lassahn vorstellen, der in der Edition Sonderwege von Manuscriptum erschienen ist. Er trägt den etwas sperrigen Titel Die Ehe stirbt an vergiftetem Obstsalat, und die Kinder bringt der Klapperstorch. Gleichstellung hat keine Zukunft. Ein Brief zur Lage der Liebe und behandelt die Frage, ob überall dort, wo man heute „Liebe“ und „Ehe“ draufschreibt, auch Ehe und Liebe drin ist. Er richtet sich gegen die Gleichstellung des Ungleichen, gegen die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, gegen den Trend, Kindern ihre „natürliche Abstammung von zweigeschlechtlichen Eltern streitig zu machen“, denn: „Liebe ist mehr als Sex, und bei Kindern hört der Spaß auf“.

Einen bekannten Gewährsmann für seinen kritischen Ansatz benennt Lassahn auch: Mario Vargas Llosa, Literaturnobelpreisträger von 2010, der meint, die Gleichheitsidee stifte Verwirrung, es gebe „höhere und niedere Kulturen“, die entsprechend unterschiedlich zu beurteilen seien. Allein die „Political Correctness“ verhindere die Ungleichbehandlung des Ungleichen: „Nach dieser erzengelhaften Auffassung sind alle Kulturen, auf ihre Weise und in je ihrer Welt, gleichwertige Manifestationen der wunderbaren menschlichen Vielfalt.“ Diesen kulturtheoretischen Ansatz Vargas Llosas überträgt Lassahn auf die Sexualität.

In diesem Kontext weist er auf die Problematik der Gleichbehandlung hetero- und homosexueller Partnerschaften hin, eine Problematik, die darin besteht, dass beide nicht gleich sein können. Aber könnten sie nicht gleichwertig sein? Für diese Behauptung sind die biologischen und sozialen Konsequenzen zu gravierend, wie Lassahn ausführt: „Wir wissen, dass die gleichgeschlechtliche Liebe sich nicht fortsetzt. Das hat sie weder in der Vergangenheit getan, noch wird sie es in naher Zukunft tun. Ihr fehlt etwas. Ihr fehlt die Weitergabe des Lebens. Sie fehlt ihr auch im Falle von Adoption, künstlicher Befruchtung und Leihmutterschaft“.

Diese Modelle, die den biologischen Mangel zu überwinden versuchen, bieten besondere soziale Schwierigkeiten: Da es für ein gleichgeschlechtliches Paar zur „Zeugung“ von Nachwuchs immer einer „gegengeschlechtlichen Ergänzung“ bedarf, ist immer eine „dritte Person“ im Spiel. Das Problem: „Diese dritte Person muss von vorneherein bereit sein, spätestens nach der Geburt zurückzutreten.“ Die Folge: „Ein Elternteil ist beim Kind, das andere nicht. Diese rabiate Ungleichbehandlung von leiblichem Vater und leiblicher Mutter ist der verschwiegene, hohe Preis für die ‚Gleichstellung‘ der gleichgeschlechtlichen ‚Elternschaft‘.“ Und das Kind? Das muss einen Elternteil entbehren. Ohne Wenn und Aber.

Man kann den Essay Bernhard Lassahn unter „Homophobie“ verbuchen und die dargestellten Schwierigkeiten ignorieren. Man kann sie aber auch – zumindest mal versuchsweise – ernst nehmen und stellt fest: Irgendetwas kann an einer Gleichstellungsrhetorik nicht stimmen, wenn sie einen so hohen Preis verschweigt. Die Idee der Gleichstellung (fast) aller real existierenden Formen menschlicher Sexualität übersieht die Instrumentalisierung und Exklusion unmittelbar beteiligter Personen. Dies deutlich herausgearbeitet zu haben, ist das Verdienst von Bernhard Lassahn.

Bibliographische Daten:

Bernhard Lassahn: Die Ehe stirbt an vergiftetem Obstsalat, und die Kinder bringt der Klapperstorch. Gleichstellung hat keine Zukunft. Ein Brief zur Lage der Liebe
Waltrop / Leipzig: Manuscriptum – Edition Sonderwege (2013).
40 Seiten, € 5,00.
ISBN 978-3937801902.

(Josef Bordat)

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