Heute vor 70 Jahren fand die Wannseekonferenz statt. Auf dieser Tagung beschlossen deutsche Politiker die „Endlösung der Judenfrage“ – die Vernichtung des jüdischen Volkes mit modernsten Methoden. Technisiert, automatisiert. Die grausame Konsequenz kennen wir: Holocaust / Schoah.*

Die Frage ist seitdem, wie es dazu kommen konnte. Kam diese Idee aus dem „Nichts“? Ist sie eine „Singularität der Geschichte“? Ein „Rückfall ins Mittelalter“? Oder eine quasi-logische Konsequenz aus dem „Projekt Moderne“? Und damit ein Vorgang, der sich immer und überall wiederholen kann?

Zygmunt Bauman gibt Auskunft.

Josef Bordat

* „Holocaust“ bedeutet „Brandopfer“ und beschreibt damit nicht den Charakter der Vernichtung. Ich ziehe, nach Gesprächen mit jüdischen Bekannten, den Begriff „Schoah“ („Unheil“) vor, auch wenn damit eine Schicksalhaftigkeit angedeutet wird, die gerade nicht zur baumanschen Erklärung passt. Es zeigt sich: Das, was auf der Wannseekonferenz beschlossen wurde, ist nicht nur schwer in Worte zu fassen, sondern auch schwer mit einem Wort treffend zu bezeichnen.