Gott sei Dank! Oder?

3. März 2014


Zu einer Doktorarbeit gehört eine Danksagung, denn es gehört sich zu danken. Eine Danksagung ist der Raum für persönliche Erklärungen und Widmungen. Hier werden Familie und Freunde, Kollegen und Unterstützer bedacht, Menschen also, „ohne die die vorliegende Arbeit nicht hätte realisiert werden können“.

Was, wenn nun ein Christ den Eindruck hat, die Verwirklichung seiner Arbeit, die sich ja regelmäßig über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstreckt und oft genug an die persönlichen Grenzen führt, sei nur in der Kraft des Glaubens möglich gewesen? Was also, wenn dieser Christ sich auch bei Gott bedankt?

Eine Selbstverständlichkeit? Mitnichten! Wer in der Danksagung seiner Doktorarbeit an Gott denkt, erhält keinen Doktortitel, ungeachtet der wissenschaftlichen Qualität der Dissertation. Zumindest nicht an der Universität Wageningen in den für Toleranz und Freiheitsliebe bekannten Niederlanden. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung.

Der Autor, Jerke de Vries, Agrarwissenschaftler und gläubiger Christ, sollte aus der Danksagung den inkriminierten Passus Gott Allmächtiger, ich danke Dir, es ist das Schönste, von Dir geliebt und geachtet zu werden streichen. Da die Arbeit bereits gedruckt war, sollte der Satz geschwärzt werden. Da er keine Selbstzensur vornehmen wollte, riss Jerke de Vries die Danksagung als solche eigenhändig aus den hundert Kopien des Buchs heraus.

Mir wird schmerzlich bewusst, in welcher Zeit ich lebe. Und, dass ich mich damals nicht bei Gott bedankt habe. Das hole ich hiermit nach: Gott Allmächtiger, ich danke Dir, es ist das Schönste, von Dir geliebt und geachtet zu werden!

(Josef Bordat)