Die Sache mit dem Öl

25. März 2013


Im heutigen Evangelium (Johannes 12, 1-11) geht es um Öl. Und den Vorwurf der Verschwendung desselben.

Schauen wir uns erst die Konkordanzstelle beim Evangelisten Markus an. Er schreibt: „Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goß das Öl über sein Haar. Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung?“ (Mk 14, 3-4) Und dann: „Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe.“ (Mk 14, 5)

Das kennen wir: Ob Weltjugendtag oder Papstbesuch, goldene Ringe oder rote Schuhe – die Gegenrechnung mit den Armen kommt auf den Tisch. Eine Rechnung, durch die der Herr einen Strich macht: „Jesus aber sagte: Hört auf! Warum laßt ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch, und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer.“ (Mk 14, 6-7)

Im Johannesevangelium wird die Sache noch deutlicher ausgesprochen. Nicht nur, dass Johannes den Namen der Verschwenderin nennt (es ist Maria, die kontemplativ veranlagte Schwester der aktiven Marta), nein, der Evangelist lässt die Leserinnen und Leser auch über den Urheber des moral harassments nicht im Dunkeln: Judas Iskariot. Ausgerechnet Judas, „der ihn später verriet“ (Joh 12, 4), stellt die Gutmenschen-Frage: „Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?“ (Joh 12, 5) Daraufhin wagt Johannes eine eigene Interpretation des selbstgerechten Gehabes: „Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.“ (Joh 12, 6)

Also: Aus verwerflichen Motiven wird der- bzw. demjenigen, die/der gute Motive hat, ein moralistischer Strick gedreht. Wie gesagt: Kommt uns bekannt vor. Denn wer heute auf die Kirche zeigt und wider alle Fakten sagt, sie täte nichts gegen die Armut in der Welt, der handelt wohl auch in den seltensten Fällen so, weil er ein Herz für die Armen hätte.

(Josef Bordat)