Manchmal stehe ich ohnmächtig vor der Dummheit und Bosheit der Welt.

Unsere Zeit belohnt den Egoisten, der sich durchsetzt, weil Ich es mir wert bin. Authentizität hat längst die moralische Wahrheit als Orientierungsgröße des Alltagshandelns abgelöst. Mit dem „Ich“ werben Parteien, Banken und Artikel zur Körperpflege. Toleranz gibt es nur für verwandte Positionen, Respekt nur für die eigene.

Rücksichtslosigkeit gilt als Stärke, die Pauschalisierung als nötige Komplexitätsreduktions-strategie. Vereinfachung beherrscht den Diskurs, bis hin zur Banalität, und damit herrschen Verdrehung und Verzerrung. Für Differenzierungen reicht die Aufmerksamkeitsspanne ohnehin nicht aus. Schöne, neue 140-Zeichen-Welt.

Aus Freiheit ist längst Frechheit geworden, die das Recht, Andersdenkende zu verspotten, als Prüfstein gesellschaftlichen Fortschritts betrachtet. Dem Recht des Täters, beleidigen zu dürfen, korrespondiert im Zeitgeist bloß noch das Recht des Opfers, beleidigt zu sein, vorbehaltlich, dass Täter und Opfer aus den jeweils richtigen Ecken kommen.

Ausstellungen ohne irgendwas Gekreuzigtes gibt es heute nur noch selten. Der Mut mancher Provokation erschöpft sich allerdings darin, sie ernsthaft als mutig zu vermarkten, während dort, wo wirklich Mut nötig ist, sich im Wesentlichen die zu Verspottenden bewegen, während sich die Mutigen im warmen Gefühl epistemischer und ethischer Superiorität nur noch zu überlegen haben, wie dumm und böse diese Christen eigentlich genau sind. Seit 2000 Jahren das Gleiche. Es gibt wohl kaum etwas Traurigeres als Provokationen, die langweilen.

Loriot ist tot. Und ich vermisse ihn jetzt schon. Er nahm nicht die Schwachen aufs Korn, sondern die Starken: uns alle. Er nahm ernst, was mir meine Eltern beibrachten: Wenn Du mit dem Finger auf andere zeigst, zeigen drei Finger auf dich zurück. Die Sache mit Splitter und Balken. Doch heute gibt es keine Grenze, keine Gnade – es sei denn, gegen sich selbst. Heute wird eine Liebesaffäre über Nacht zum Sexskandal. Wer hingegen als Priester Fußball spielt, wird zur Halbzeit vom Feld genommen.

Doch die Kraft des Dagegen ist begrenzt. Das gilt auch für das Gegen das Dagegen. Dann hilft nur eines: der Blick auf das Kreuz und den Gekreuzigten. Mir wird in solchen Momenten klar: „Diese Welt auszuhalten, das geht nur in der Hoffnung auf Christus!“ Der Herr hat die Ohnmacht angesichts der Dummheit und Bosheit der Welt in Hoffnung gewandelt. Christen haben die große Chance, dem Kreislauf von Zorn und Hass zu entkommen, indem sie ihren Ärger zu Gott tragen und von Gott die Liebe empfangen, die nötig ist, um die Wut im Bauch in Frieden im Herzen zu wandeln und diesen Frieden im eigenen Leben herrschen zu lassen. Und in dieser Welt.

(Josef Bordat)