Die freikirchliche Gemeinde Lebensquelle (Osnabrück) plant den Bau eines neuen Gemeindezentrums auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Das berichtet das Christliche Medienmagazin Pro.

Motiv des Projekts: „Wir wollen der Stadt dienen mit dem Evangelium, der Botschaft von Jesus Christus.“ Soweit Günter Strunk, Sprecher der Gemeinde, in einem Fernsehinterview Anfang Mai. Auf die naheliegende Frage (es geht um Christen!), ob die Kirche ihr neues Zentrum auch Schwulen und Lesben für ihre Veranstaltungen zur Verfügung stelle, erklärte der Chef der ausführenden Immobilienfirma, Ralf Gervelmeyer, ebenfalls Mitglied der Gemeinde, dass die Bibel Homosexualität als Sünde bezeichne, wohl aber den Sündern Liebe zuspreche.

Daraufhin wurden nach Angaben von Lebensquelle in der Gemeinde die Fensterscheiben eingeschlagen, Fahrzeuge demoliert, Wände beschmiert, Reifen zerstochen und Steine geworfen. Das heißt: Nicht gleich danach. Zuvor hatten die Osnabrücker Grünen die „Homophobie“ der Gemeinde gerügt und festgestellt: „Es wäre gut, man würde ein Zeichen der Toleranz senden.“

Mal abgesehen davon, dass der Schluss von der Überzeugung, Homosexualität sei in den Augen der Bibel Sünde, der Homosexuelle aber von Gott geliebt und von den Menschen entsprechend zu behandeln, auf Angst oder gar Hass gegenüber Homosexuellen („Homophobie“) für einen gläubigen Menschen nicht unmittelbar nachzuvollziehen ist, so ist es der Schluss von der „in Osnabrück gepflegten Toleranz“ (Thomas Klein, Kandidat der Grünen zur Oberbürgermeisterwahl) auf eingeschlagene Fensterscheiben, demolierte Fahrzeuge, beschmierte Wände, zerstochene Reifen und geworfene Steine erst recht nicht.

Doch nicht alle Osnabrücker sind der Ansicht, „Toleranz gegen Christen“ und „Gewalt gegen Christen“ seien frei substituierbare Konzepte: Die Kulturdezernentin der Stadt, Rita Maria Rzyski, stimmt mit der Auffassung Gervelmeyers in der Sache nicht überein, akzeptiert sie aber als Ausdruck der Religionsfreiheit. Gervelmeyer selbst erklärte auf Anfrage der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Wir haben überhaupt keinen Anlass, Menschen, die anders leben, in irgendeiner Weise zu kritisieren, sie zu beurteilen oder zu verurteilen.“ Als Christ, so zitiert ihn Pro, stehe es ihm jedoch frei, eine persönliche Meinung zur Homosexualität zu haben.

Wenn er sich da mal nicht irrt.

(Josef Bordat)