Die Sache mit den beiden Blinden

2. Dezember 2016


In jener Zeit, als Jesus vorüber ging, folgten ihm zwei Blinde und schrien: Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids! Nachdem er ins Haus gegangen war, kamen die Blinden zu ihm. Er sagte zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann? Sie antworteten: Ja, Herr. Darauf berührte er ihre Augen und sagte: Wie ihr geglaubt habt, so soll es geschehen. Da wurden ihre Augen geöffnet. Jesus aber befahl ihnen: Nehmt euch in acht! Niemand darf es erfahren. Doch sie gingen weg und erzählten von ihm in der ganzen Gegend. (Mt 9, 27-31)

Es sind gleich mehrere Aspekte, die das heutige Tagesevangelium interessant machen.

1. Es sind Blinde, die glauben. Sie haben definitiv noch nichts gesehen von dem, was man sich über Jesus erzählt. Sie glauben, ohne zu sehen. Der Auferstandene wird dies als Ausdruck von Seligkeit charakterisieren (vgl. Joh 20, 29).

2. Die Blinden bitten nicht um (Wieder-)Herstellung der Sehkraft, sondern um das Erbarmen Jesu. Sie vertrauen darauf, dass Gott das Beste für sie tut – sei es, dass sie (wieder) sehen können, sei es etwas anderes, dass sie als Personen wachsen lässt.

3. Jesus bezeichnet diesen Glauben der Blinden als heilswirksam. So, wie sie geglaubt haben, soll es geschehen. Ihr Glaube bestimmt das Maß an Erbarmen und an Heil, das ihnen durch Christus zuteil wird.

4. Es sind zwei Blinde, die gemeinsam eine Gotteserfahrung machen und sie daher nach antiker Vorstellung auch glaubhaft bezeugen können. Zugleich sollen sie gerade dies nicht tun: Jesus gebietet ihnen zu schweigen.

5. Das Schweigegebot ist der historischen Situation geschuldet, in der Jesus nicht als Wunderheiler angesehen werden will, sondern als Messias. Seine Mission ist keine Show, sondern eine Sendung, keine Aktion, sondern ein Auftrag.

6. Die Blinden verstehen das auch. Gleich zu Beginn wird das deutlich. Sie nennen Jesus „Sohn Davids“, ein messianischer Ehrentitel. Schon vor ihrer Heilung, in ihrem tiefen Glauben. Doch sie können trotz ihres Glaubens und ihrer Ehrfurcht nicht anders, als nach ihrer Heilung darüber zu reden, was mit ihnen geschehen ist. Ein apostolischer Zug (vgl. Apg 4, 20).

7. Heute gilt es, den Blinden (und den Aposteln) in diesem Punkt zu folgen. Wir sollen tun, was Jesus sagt. Doch wir sollen auch sagen, was Er tut. Aussprechen, welchen Segen wir erfahren, im Glauben, in der Kirche. Erzählen, wie Jesus heute noch wirkt – in uns, mit uns und durch uns.

(Josef Bordat)

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