Richtigstellung

1. August 2015


In einem Zwischenruf hatte ich anlässlich eines aktuellen Falls vermeintlicher Zwangsmission in der Zentralafrikanischen Republik an die ablehnende Haltung der Kirche erinnert. Offensichtlich bestand dazu aber gar kein Anlass, denn der Fall ist bei genauerem Hinsehen keiner. Offenbar wurde in dem Bericht „Christen zwingen Muslime zu konvertieren“ des Nachrichtensenders ntv zur Lage in Zentralafrika nämlich die Diktion der Muslime übernommen, auf deren Aussagen sich auch Amnesty International in ihrer Einschätzung der Lage stützt. Und nach Ansicht der Muslime sind alle ihre Gegner „Christen“.

Davon könne jedoch, so Open Doors Deutschland, nicht die Rede sein: „In den nordöstlichen Landesteilen regiert die islamistische Seleka, unterstützt von Teilen der muslimischen Bevölkerung. Der Südwesten wird von den Anti-Balaka kontrolliert. Diese aus Nicht-Muslimen bestehenden Bürgerwehren hatten sich ursprünglich formiert, um den blutigen Vormarsch der Islamisten aufzuhalten. Dabei gingen sie jedoch selbst brutal gegen Muslime vor. Die wiederum bezeichneten die Anti-Balaka fälschlicherweise als Christen, obwohl alle Kirchen Anti-Balaka und deren Gewalt verurteilt hatten.“ Das Hauptproblem in Zentralafrika sei nach wie vor die Christenverfolgung, berichtet Open Doors. Im Lichte dieser Information ist die ntv-Schlagzeile grob irreführend. Mindestens.

Es bleibt natürlich dabei, dass es in höchstem Maße unchristlich wäre, zwängen „christliche“ Milizen Muslime mit Gewalt zur Annahme des christlichen Glaubens, nur kann dies angesichts der Darstellung von Open Doors getrost im coniunctivus irrealis stehen, denn: 1. Es gibt keine Milizen, die christlich sind; Gewalt, die nicht der Notwehr oder Nothilfe dient, ist unchristlich, 2. Der Widerstand geht nicht (nur) von Christen aus, sondern von einer anti-islamistischen Allianz, zu der wohl auch Nicht-Christen gehören, 3. Ob der Widerstand also auch Zwangstaufen bzw. erzwungene Konversionen beinhaltet, ist unklar bzw. eher unwahrscheinlich, da er eben nicht nur von Christen und schon gar nicht aus missionarischen Mortiven erfolgt, sondern der Sicherheit der Bevölkerung dient, die von den Islamisten bedroht wird.

Nachrichtensender sind halt auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und Amnesty International auch nicht.

(Josef Bordat)

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