Himmel und Hölle

18. August 2017


Wenn es einen Himmel (gedacht als vollendete Einheit mit Gott in Ewigkeit) gibt, dann muss es auch die Hölle geben – als Ergebnis größtmöglicher Distanzierung des Menschen von Gott.

Es muss einem Menschen möglich sein, sich dem Streben nach Einheit mit Gott grundsätzlich und endgültig zu verweigern – und damit zu sagen: “Ich will nicht in den Himmel!”.

Es muss die Möglichkeit der freiwillig gewählten Gottferne geben, verbunden mit dem Willen, diese Distanz möge auch in Ewigkeit bestehen. Und damit also zu sagen: “Ich will in die Hölle!”.

Das ist metaphysisch notwendig. Denn wenn das nicht möglich wäre, hätten wir Menschen keine Freiheit und Gott wäre ein Despot, der alles zu sich zwingt. Das tut er aber nicht.

Die Verweigerung des Menschen hat – wie jedes Handeln aus Freiheit – Folgen, die zu tragen sind. Es kann nicht gleich gültig sein, ob der Mensch Gottes Nähe sucht, mit dem Ziel der Einheit, oder ob er das Weite sucht, in der festen Absicht, zwischen sich und Gott einen maximalen Abstand zu erlangen.

Wer die Hölle sucht, der soll sie finden dürfen. Wer hingegen Gott sucht, dessen Chancen stehen nicht schlecht, ihn auch zu finden – und sei es erst in dem Moment, in dem sich das Leben vollendet. Im Tod.

Zum Thema:

Von Schafen und Böcken (2016)

Abhauen. Rausreißen. Ins Meer werfen (2015)

Nachdenken über die Hölle (2014)

Eden für jeden? Warum es die Hölle geben muss (2012)

Frohbotschaft und Drohbotschaft (2011)

(Josef Bordat)

%d Bloggern gefällt das: