Hass. Kommentar

17. März 2017


Der Hass in den Sozialen Medien nimmt zu. Sagen Experten. Vielleicht ist es aber auch schlicht so, dass wir aufmerksamer werden, dass wir neuerdings mehr auf verhetzende und verstörende Kommentare und Tweets achten. Das mag hinzukommen, aber ich denke, die Tendenz zur Verrohung der Sprache und zum hasserfüllten Umgang miteinander ist deutlich genug erkennbar.

Hass gibt es aber nicht nur im Facebook oder auf Twitter zu begutachten. Ein besonders augenfälliges Beispiel für schier grenzenlosen Menschenhass ist gloria.tv. Damit meine ich nicht Polemik und Häme gegen meine Person, sondern schon die etwas heftigeren Dinge. So steht dort seit einer Woche unbehelligt ein “Planspiel” zu lesen, dergestalt, dass spielerisch geplant wird, den Reichstag zu überfallen (“50 Mann mit 50 handgranaten und mit 50 MG“s bewaffnet würden zuerst alle die handgranaten werfen und damit wäre schon mal das „meiste Weg“. Den rest könnte man mit dem Mg“s umnieten und schon wäre man drinnen”, Zitat formal unredigiert), um die Mitglieder der Bundesregierung festzusetzen (“und hätte die gesamte Regierung als Geiseln. Das wäre garnicht so schwer wie man denkt”).

Nicht allein der Umstand, dass die Exekutive am Ort der Legislative anzutreffen vermutet wird, offenbart ein gehöriges Kenntnisdefizit in Sachen Demokratie und Rechtsstaat. Doch dass sich alle Regierungsmitglieder gleichzeitig im Parlament befinden, ist unwahrscheinlich, jedenfalls unwahrscheinlicher “wie man denkt”.

Für einige Foristen ist das “Planspiel” ein Fall von legitimem Widerstand gegen Despotie, der Kommentator selbst subsummiert es unter das (bei ihm erkennbar unverstanden bleibende) bellum iustum-Konzept augustinischer Provenienz: “Meiner Ansicht nach sind die Voraussetzungen mit causa iusta, recta intentio,ultima ratio, proportionalitas erfüllt”. Es bleibt ebenso unmoderiert im gloria.tv-Kommentarraum stehen wie “bloß so ein Gedanke”, der sich damit beschäftigt, Papst Franziskus (der allenthalben nur “Bergoglio” genannt wird) “zu entführen, zu fesseln und ihn gefangen [sic!] damit ein neuer Papst gewählt wird”. Nebenbei wird die Gefahr, die vom Heiligen Vater ausgehe, implizit mit der Gefahr, die von Hitler ausging, verglichen und nach erfolgter Erwägung gleichgesetzt, um Widerstand zu motivieren (“Stauffenberg hat was gemacht.” – “Oh ja, das hat er.”).

Ein Fall für den Staatsanwalt? Das mögen Juristen klären. Als katholischer Christ bin ich zunächst geschockt und zutiefst irritiert, dass Menschen, die ja (nach eigener Einlassung) Schwestern und Brüder im Glauben sind, sich zu solchen Gewaltphantasien hinreißen lassen. Wenn Hasskommentare tatsächlich daraus entstehen, dass Menschen sich übersehen, ungeliebt und verkannt fühlen, wie Psychologen zu bedenken geben, dann frage ich mich, wie jemand, der vorgibt, katholischer Christ zu sein, so hassen kann, weiß er doch darum, dass er von Gott angeschaut und bedingungslos geliebt wird, dass er als Person bei Gott anerkannt ist, egal, was im Laufe des Lebens passiert sein mag. Ein Christ hat schon von daher keinen Grund zu hassen.

Wie geht man aber damit um, wenn Menschen hassen? Schwierig. Oft ist kein vernünftiges Gespräch möglich, dann sollte man dies auch nicht führen wollen. Das wäre Zeitverschwendung. Aber man kann an anderer Stelle ein Gegengewicht in die Waagschale werfen, in der Hoffnung, dass dies vielleicht auf lange Sicht zu einem Ausgleich der emotionalen Balance führt – schließlich müssen wir uns die Person, die mit Hass angefüllt ist, nicht als böse vorstellen, sondern als schwach. Die Hasser mit sich allein zu lassen, ist die bequemste Form des Umgangs, führt aber zu einer Normalisierung des Hasses unter denen, die auf diese Weise isoliert werden. Und das ist gefährlich.

(Josef Bordat)

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