Zweites Bild: Lazarus.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht. (Lk 16, 19-31)

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Im Evangelium vom reichen Mann und dem armen Lazarus wird das Jenseits als Grund der Hoffnung für die Armen greifbar, und ebenso die Warnung an die Reichen. Es gibt eine transzendente Kompensation zu beiden Seiten hin: Der irdisch Arme erhält seinen Platz bei Gott, der irdisch Reiche (und zugleich Hartherzige!) muss in der Hölle schmoren.

Das Bild zu dieser Bibelstelle zeigt quasi die irdische Situation: Die Reichen und Mächten sitzen zu Tisch, die Armen versuchen, etwas von der reich gedeckten Tafel abzubekommen, strecken ihre nackten Arme aber vergeblich aus. Man kann den Text mithin als Mahnung auffassen, als Mahnung für uns, die wir potentiell zu den Reichen gehören.

Wir sollten also aus der misslichen Lage des Reichen lernen, dass es darauf ankommt, von uns aus hier und jetzt am Reich Gottes mitzubauen, weil sich das Reich Gottes nicht auf unseren Wunsch hin (also dann, wann es uns passt) bequem in irdische Richtung verlängern lässt.

Das ist es ja, was der Reiche erkennen muss: Er will nachträglich das Reich Gottes ins eigene Haus geliefert bekommen und regt daher an, Lazarus zu seiner Familie zu schicken, um diese zu warnen. Doch Veränderung geht nur hier und jetzt, nur mit dem, was an Offenbarung und Gnade bereits da ist. Dazu haben wir die Warnung zur rechten Zeit erhalten – nicht zuletzt durch dieses Evangelium.

(Josef Bordat)

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