Ben Hur

31. August 2016


Die Geschichte von Juda Ben Hur gehört wohl zu den bekanntesten überhaupt. Der Roman Ben Hur von Lewis Wallace aus dem Jahre 1880 wurde zum Welterfolg und seitdem mehrfach verfilmt. Am bekanntesten ist sicherlich die monumentale Vier-Stunden-Kinoversion von William Wyler mit Charlton Heston in der Titelrolle (1959). Das war vor über einem halben Jahrhundert, in der Blütezeit der cineastischen Verarbeitung christlich-biblischer Stoffe. Morgen kommt die Neuverfilmung des ganz besonderen Familiendramas in die deutschen Kinos.

Dem technischen Fortschritt entsprechend ist die sattsam bekannte Handlung um den einen oder anderen Spezialeffekt bereichert worden. Gerade in der 3-D-Version steckt man nun viel tiefer drin, steht mitten im Jerusalem zur Zeit Jesu Christi. Man schlendert über orientalische Märkte, rudert auf der Galeere und fährt im Zirkus seine Runden. Alles ist greifbar nah. Der eigentliche Wert der Spezialeffekte liegt aber nicht im Ästhetischen, sondern darin, dass die Grausamkeit, der Juda Ben Hur so ungerecht wie hoffnungslos ausgesetzt ist, ganz plastisch erfahrbar wird.

In den früheren Verfilmungen erscheint das harte Schicksal des redlichen Mannes dagegen arg verharmlost. In der 3-D-Version kommt einem alles sehr viel näher, auch der Schmerz und die Verlassenheit. So lässt sich noch besser nachvollziehen, warum Ben Hur – von Hass und Rachegelüsten getrieben – unbedingt gegen seinen Bruder das berühmte Wagenrennen bestreiten will, um ihn öffentlich zu demütigen.

Das wiederum macht deutlicher als je zuvor, welche Größe die Versöhnung besitzt, zu der sich beide am Ende durchringen. Welche Kraft es braucht, einem Menschen zu vergeben, dessen Feigheit und Verrat den eigenen Lebensweg durchkreuzten. Aber auch, welche Kraft von der Versöhnungsbereitschaft ausgeht, eine Kraft, die der Film vor allem der Botschaft Jesu zuschreibt, die daher so „gefährlich“ sei, wie ein römischer Soldat bemerkt.

Man kann die neue Ben Hur-Version als Action-Drama sehen, man kann aber auch den christlichen Subtext herauslesen und die zahlreichen ikonographischen Andeutungen ernst nehmen – das Kreuz kommt mehrfach verschlüsselt vor, etwa als lebensrettender Schiffsmast auf dem todbringenden Ozean. Dabei spielt nicht nur die Tatsache eine Rolle, dass die Handlung zur Zeit des öffentlichen Auftretens Jesu und am Ende parallel zu dessen Leiden und Sterben spielt und sich an entscheidenden Stellen auch mit der Passionsgeschichte kreuzt, sondern auch das immer wieder unterschwellig bis offen angesprochene (und manchmal auch etwas sehr dick aufgetragene) Grundthema des Films, das ein wesentliches Element des christlichen Glaubens darstellt: Vergebung.

Nur über den Weg der Vergebung lässt sich jener Friede wahren, den das Römische Reich mit Militärpräsenz und abschreckender Gewalt durchsetzen will. Nur die Vergebung lässt Wunden heilen. Nur in der Haltung liebender Versöhnungsbereitschaft hat die Familie und die Gesellschaft eine Zukunft. An der Aussage des Epos ändert sich auch Anno 2016 nichts. Die Neuverfilmung von Ben Hur passt gut ins Jahr der Barmherzigkeit.

(Josef Bordat)

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