Mein Gottesloblieblingslied

20. November 2013


Vorab: Ich bin unmusikalisch. Und kann daher nicht wirklich gut singen. Aber während des Gottesdienstes singe ich eigentlich gerne. Wenn auch nach wie vor nicht gut.

Nun fühle ich mich aufgefordert, doch mal zu schreiben, welches Lied aus dem „alten“ Gotteslob ich am liebsten falsch singe. Es ist „Ich will dich lieben, meine Stärke“ [GL 558 – Text: Angelus Silesius (Johann Scheffler), 1657; Melodie: Georg Joseph, 1657] und geht so:

Ich will dich lieben, meine Stärke,
ich will dich lieben, meine Zier;
ich will dich lieben mit dem Werke
und immerwährender Begier!
Ich will dich lieben, schönstes Licht,
bis mir das Herze bricht.

Ich will dich lieben, o mein Leben,
als meinen allerbesten Freund;
ich will dich lieben und erheben,
solange mich dein Glanz bescheint;
ich will dich lieben, Gottes Lamm,
als meinen Bräutigam.

Ach, dass ich dich so spät erkannte,
du hochgelobte Schönheit du,
dass ich nicht eher mein dich nannte,
du höchstes Gut und wahre Ruh;
es ist mir leid, ich bin betrübt,
dass ich so spät geliebt.

Ich lief verirrt und war verblendet,
ich suchte dich und fand dich nicht;
ich hatte mich von dir gewendet
und liebte das geschaffne Licht.
Nun aber ists durch dich geschehn,
dass ich dich hab ersehn.

Ich danke dir, du wahre Sonne,
dass mir dein Glanz hat Licht gebracht;
ich danke dir, du Himmelswonne,
dass du mich froh und frei gemacht;
ich danke dir, du güldner Mund,
dass du mich machst gesund.

Erhalte mich auf deinen Stegen
und lass mich nicht mehr irregehn;
lass meinen Fuß in deinen Wegen
nicht straucheln oder stillestehn;
erleucht mir Leib und Seele ganz,
du starker Himmelsglanz.

Ich will dich lieben, meine Krone,
ich will dich lieben, meinen Gott;
ich will dich lieben sonder Lohne
auch in der allergrößten Not;
ich will dich lieben, schönstes Licht,
bis mir das Herze bricht.

Es ist ein anspruchsvoller Text, der ja durchaus auch die Irrungen und Wirrungen des (Glaubens-)Lebens aufnimmt, die Schwierigkeiten bei der Nachfolge, der aber in der Liebe die Chance zur Überwindung dieser Probleme benennt und in einer kraftvollen Willensbekundung endet. Dazu eine erhebende Melodie, die man – selbst ich – so richtig „schmettern“ kann, wenn einem denn danach ist. Das alles kommt am Besten als Eröffnungslied in der Frühmesse, wenn man sich für den Tag so richtig was vorgenommen hat – dann stutzt einen dieses Lied wieder auf das rechte, gottgewollte Maß zurück, indem es sagt: Es kommt nur darauf an, dass Du liebst. Zumindest, dass Du es willst.

(Josef Bordat)

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