Kyros und Co.

24. Oktober 2017


Am vergangenen Sonntag stand ein sehr dankbares Evangelium auf dem Programm: Mt 22, 15-21, die Sache mit dem der Steuer, anhand der Jesus die Differenz von Kaiser und Gott erläutert: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“ (Mt 22, 21). In den meisten Gottesdiensten wird darüber gepredigt worden sein. Dazu gibt es ja sicher auch einiges zu sagen.

Doch auch die Erste Lesung (Jes 45, 1 und 4-6) hatte es in sich. Deuterojesaja (also, der oder die von Jesaja beeinflusste/n Prophet/en, dem/denen die Kapitel 40 bis 55 des biblischen Buchs Jesaja zugeschrieben wird/werden) berichtet über den mächtigen Kyros II. von Persien, der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. auch Babel erobert hatte, wo die Elite des Staates Israel zu dieser Zeit gezwungenermaßen lebte und arbeitete. Kyros beendet die babylonische Gefangenschaft und lässt die Juden ziehen. Daran erweist sich Gottes Herrlichkeit, den Deuterojesaja mit Kyros in einen Dialog treten lässt.

Gott stellt darin – in der Ausdeutung Deuterojesajas – den König der Perser mit den Königen Israels gleich. Er nennt ihn „seinem Gesalbten“ und das, obwohl Kyros Gott nicht kennt – „ohne dass du mich kanntest“, steht gleich zweimal da (Jes 45, 4 und 5). Darauf kommt es auch gar nicht an, entscheidend ist, dass er und alle anderen Menschen Gott erkennen, am Handeln des Königs (bzw. Gottes mit dem König): „damit man vom Anfang der Sonne bis zum Untergang erkennt, dass es außer mir keinen Gott gibt“ (Jes 45, 6). Kyros wird zu einem Meilenstein des Heilswegs Gottes mit dem Menschen – ohne sich dessen bewusst zu sein.

Vielleicht nehmen wir ja auch heute noch im Fremden – in der fremden Kultur, der anderen Weltanschauung, der abweichenden politischen Meinung – gelegentlich Spuren der Gnade Gottes wahr, die uns zur Gotteserkenntnis führen können. Es müssen ja nicht immer epochale Befreiungserfahrungen sein – wie das Ende des babylonischen Exils (oder der Fall der Mauer). Manchmal sind es die kleinen Dinge, durch die Gott zu uns spricht. Und sich dabei auch derer bedient, die nicht an Ihn glauben.

(Josef Bordat)

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