Advent

3. Dezember 2014


Vierundzwanzig Blogger veröffentlichen einer nach dem anderen Beiträge, die irgendwie mit dem Advent aus katholischer Sicht zu tun haben. Die Initiatorin Andrea Imbsweiler hat am Ersten Adventssonntag den Anfang gemacht, in ihrem Blog 5 Brote 2 Fische. Heute bin ich dran.

Die Adventszeit dient der betrachtenden Vorbereitung auf den Neuanfang Gottes mit dem Menschen, der dem Neuanfang des Menschen mit Gott vorausgeht. Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth kommt etwas in die Welt, das zuvor durch die Sünde verdunkelt war: die Liebe. Die Liebe Gottes zum Menschen ermöglicht die Liebe des Menschen zu Gott und zum Mitmenschen.

Das klingt sehr anspruchsvoll und ist es auch. Alfred Delp hat es mit drastischen Worten ausgedrückt: „Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.“ Geht das denn überhaupt: Erschütterung, wach werden, zu sich selbst kommen – zwischen Glühwein, Lebkuchen und verkaufsoffenem Sonntag? Worauf bereiten wir uns vor – im Advent? Denken wir Weihnachten von uns her, auf dass es ein schönes Fest werde, in der Familie oder im Freundeskreis? Oder stellen wir uns selbst zurück und denken Weihnachten von Gott her? Feiern wir es wirklich als Fest der Menschwerdung Gottes im Christuskind?

Wenn wir diese Frage bejahen, können wir auch schon den Advent von Gott her begehen und mit Dietrich Bonhoeffer zu der Erkenntnis gelangen, dass es auf unser Tun – unser Plätzchen backen, unsere Einkäufe, unseren Fensterschmuck – gar nicht so sehr ankommt. In einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge schreibt Bonhoeffer am 21. November 1943 aus dem Gefängnis Berlin-Tegel: „Weißt Du, so eine Gefängniszelle, in der man wacht, hofft, dies und jenes – letztlich Nebensächliches – tut, und in der man ganz darauf angewiesen ist, dass die Tür der Befreiung von außen aufgetan wird, ist gar kein so schlechtes Bild für den Advent.“

In der Tat – kein schlechtes Bild: die Tür, die nur von außen aufgetan werden kann. Das Volk, das im Dunkeln lebt, findet in der Dunkelheit keine Möglichkeit, sich selbst zu erleuchten. Das Licht muss von außen in die Nacht hinein kommen. Dadurch, dass Gott in die Welt kommt. Wenn wir also in den nächsten Wochen die Türen von Kaufhäusern und die Türchen des Adventskalenders öffnen – denken wir daran: Dass uns die Tür zur Krippe, in der Gott als Mensch liegt, ganz weit offen steht, ist nicht Resultat unserer Geschäftigkeit, sondern das Geschenk der Liebe Gottes.

Das zum Advent, aus meiner Sicht. Morgen geht es weiter auf dem Weblog Lauda Sion. Einen Überblick über alle Beiträge in Form eines Adventskalenders gibt es hier.

(Josef Bordat)

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