Fastenzeit. Halbzeitbetrachtung

9. März 2015


Die Fastenzeit ist nun bereits recht deutlich fortgeschritten – wir nähern uns der Halbzeit. Zeit, kurz innezuhalten und das Fasten zu betrachten. Anregen lasse ich mich dabei von den Fragen, die Matija Vudjan im Rahmen einer „Blogparade“ zum Thema Die Fastenzeit, die plurale Gesellschaft und ich stellt.

Was bedeutet die Fastenzeit für mich?
Die Fastenzeit ist für mich eine Gelegenheit zum seelischen Aufbau und zum körperlichen Abbau.

Wie begehe ich selbst die Fastenzeit? Aus welcher Motivation tue ich dies?
Ich versuche seit einigen Jahren in der Fastenzeit auf Alkohol und Süßes zu verzichten. Das tut Seele und Körper gut. Und dem Geldbeutel auch. Motiv ist aber nicht das Sparen (auch, wenn das Spenden für Misereor dann leichter fällt), sondern die Erfahrung des Verzichts. Der Gedanke ist: Wer lassen kann, kann gelassen sein. Das gilt natürlich im Zweifel auch für den Verzicht selbst.

Ist die Fastenzeit für mich in jedem Jahr dasselbe oder setze ich immer wieder einen neuen Fokus?
Seit einigen Jahren ist das Programm gleich. Oder zumindest sehr ähnlich. In diesem Jahr ist die Reduktion der Internetaktivitäten hinzugekommen. Diese lässt sich aber leider nicht immer hundertprozentig durchhalten. Dann kommen in dieser Fastenzeit noch familiäre Angelegenheiten hinzu, denen ich mich gezielt zuwende und die mich seelisch und körperlich sehr fordern. Wobei das weniger auf ein zeitlich begrenztes Fastenopfer hinausläuft, sondern eher auf eine neue Herausforderung, die aber mit dem, was die Fastenzeit ausmacht, ganz eng verbunden ist.

Habe ich durch die Pluralisierung der Gesellschaft bereits Veränderungen in meinem persönlichen Empfinden und Verständnis der Fastenzeit bemerkt?
Nein. Als ich vor einigen Jahren anfing, die Fastenzeit bewusst zu begehen, war die Gesellschaft bereits plural.

Ist die Fastenzeit auch heute in einer pluralen Gesellschaft von Relevanz? Wenn ja, in welcher Form? Wenn nicht, warum?
Ich denke schon. Wir Menschen brauchen „geprägte Zeiten“, eine gewisse Struktur – am Tag, im Jahr, im Leben. Wenn alles jederzeit und überall für alle möglich ist, dann mag das ein sozialer und ökonomischer Fortschritt sein, es ist aber ein spiritueller Rückschritt. Das heißt: Die Gefahr besteht, sich im Meer der Optionen zu verlieren. Bewusste Reduktion ist daher ein geeignetes Gegenprogramm, um dem Paradox der Moderne auf die Spur zu kommen: Glück haben und trotzdem unglücklich sein. Denn nur so erkennt man wieder die Differenz von Bedarf und Bedürfnis, die das Marketing so erfolgreich verschleiert. Also: Die Idee des Verzichtsfastens als Form der Reduktion ist heute aktueller denn je. Sollte man mal ausprobieren, ohne sich darin zu verbeißen. Vielleicht ja schon in der kommenden Passionszeit, den zwei Wochen vor Ostern.

(Josef Bordat)

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